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CD-Besprechung

Hungaroton HCD 32225-26

2 CD • 2h 14min • 1971

09.06.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Für die Rückkehr dieser Aufnahme in den aktuellen Hungaroton-Katalog gibt es eigentlich nur eine einzige Erklärung: es ist die künstlerische Qualität dieser nunmehr 33 Jahre alten Einspielung von Bachs Johannes-Passion, die aufhorchen lässt - sei es der Klang der Stimmen, sei es die Balance untereinander, die Qualität der Instrumentalisten, das homogene Stilgefühl, die uneingeschränkte Hingabe an das Werk Bachs, die absolute Unabhängigkeit von modischen Interpretationsvorgaben. Entgegen vielen Klagen über das rigorose Streichen hörenswerter Aufnahmen aus den Firmenkatalogen verdient Hungaroton hier Anerkennung und Lob für den Erhalt eines lohnenden Klangdokumentes.

Zum einen wird ein ungarisches Denkmal engagierter Bach-Pflege unter den durchaus nicht selbstverständlichen Umständen kirchenmusikalischer Förderung im ehemaligen Ostblock gewürdigt, zum anderen fällt der sorgfältige Umgang mit der durchdachten sprachlichen und musikalischen Gestaltung des deutschen Passionstextes durch ausnahmslos junge magyarische Künstler auf. Religiöse Anteilnahme, meditativer Tiefgang und dramatische Spannung sind neben der obligatorischen Verbindlichkeit des Notentextes für die Solisten, Choristen und Instrumentalisten zu einer alle packenden und alles verbindenden Grundhaltung geworden. Beispielhaft seien die von József Réti als Evangelist voller Empörung herausgeschleuderten Worte "Barrabas aber war ein Mörder!" (Track 18, Nr.30) als einer der dramatischen Höhepunkte des Werkes herausgegriffen. Nicht minder ergreifend ist die Aufgeregtheit der Turba-Chöre realisiert worden oder die Aura der Betroffenheit und Andacht in den Gemeindechorälen. Bachs Johannes-Passion hat es bekanntlich in sich und diese Interpretation stellt sich allen Herausforderungen.

Es wäre kleinlich, unter dem Eindruck dieser künstlerischen Wirkung die gelegentliche akustische Schwäche des Generalbaßfundamentes beim Nachzeichnen textbezogener Figuren zu bemängeln oder die Unterbelichtung der einen oder anderen melodischen und modulatorischen Funktion im Mittelstimmengefüge. Nein, wenn man hier etwas vermißt, dann ist es ein erklärendes Wort im Beiheft zu den seinerzeit jugendlichen Mitwirkenden, die vor 33 Jahren eine solche Vorzeigeproduktion geschaffen haben.

Dr. Gerhard Pätzig [09.06.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Johannes-Passion BWV 245

Interpreten der Einspielung

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