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CD-Besprechung

cpo 777 130-2

2 CD • 1h 49min • 2004, 2005

28.06.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

So willkommen Neueinspielungen der zu Unrecht vernachlässigten Oratorien von Max Bruch auch sind: Insgesamt hat mich diese Produktion des Lied von der Glocke unter Jac van Steen nicht sehr begeistert – zumal es einen hochkarätigen Mitschnitt des Werkes unter Hans-Christoph Rademann aus dem Jahr 1995 gibt (Thorofon 2 CD CTH 2291), der im direkten Vergleich in vieler Hinsicht besser dasteht. Das beginnt bei der Besetzung der Solisten: van Steen hat die tragende Bass-Partie mit dem Bariton Mario Hoff besetzt, der zwar ein vorzüglicher Sänger ist, über ein tragendes, goldwarmes Timbre verfügt und mit der Partie tadellos zurecht kommt. Doch scheint vom Charakter her der Bass André Eckert in der Rademann-Einspielung die glücklichere Besetzung. Entsprechend ist auch das Solo-Quartett aufeinander abgestimmt, was vielleicht der Vorliebe der Dirigenten geschuldet sein mag: Ute Selbig (Sopran), Elisabeth Graf (Alt) und Matthias Bleidorn (Tenor) unter Rademann haben insgesamt dunklere, vollere Stimmen, Eleonore Maguerre, Annette Markert und Klaus Florian Vogt dagegen ein kräftigeres, helleres, fast schon stählernes Timbre, wobei der mir sonst in bester Erinnerung befindliche Klaus Florian Vogt mit seiner Partie hier ein wenig zu kämpfen hat. Der Philharmonische Chor Prag im Verein mit Kühn’s gemischtem Chor – eine bewährte Partnerschaft – intoniert zwar tadellos; die Deklamation ist jedoch mitunter weniger textverständlich als die von Rademanns Dresdner Singakademie.

Jac van Steen geht den fast zweistündigen Riesen eher mit dem Blick des Sinfonikers an. Immer klingt die Staatskapelle Weimar spätromantisch-opulent, die Streicher sparen allerdings nicht mit engem Vibrato und dauerhaftem Sostenuto, und die Differenzierung von Details bleibt oft auf der Strecke. Rademann hingegen betrachtete das Werk aus der Sicht des erfahrenen Kirchenmusikers, immer mit wachem Blick für den Affekt, wie er sich aus dem Wort ergibt. Dies gilt auch für seine Behandlung des Orchesters. Die Dresdner Philharmonie zeigte seinerzeit delikate Farben, ein hörbar an Mendelssohn geschultes Klangbild und klar konturiertes Streicherspiel. Mir scheint daher die Vorstellung, die Rademann seinerzeit realisiert hat, näher am Charakter dieses doppelbödigen Werkes als der Ansatz Jac van Steens, der mir allzusehr auf Wirkung abzielt.

Dem entspricht auch der Klang. Dem Thorofon-Team war eine vorzügliche Raumwirkung gelungen; auch die oft problematische Balance zwischen Chor und Orchester war überzeugend gelöst – der Chor trägt den Orchesterklang. Die Neuproduktion unter van Steen krankt hingegen unter den üblichen Pauschalitäten: Bei hörbar angehobenem Pegel ist der Gesamtklang unangenehm direkt; das Orchester drückt im Tutti oft den Chor an die Wand. Allerdings hört man die Solisten hier deutlicher im Vordergrund, in der Thorofon-Aufnahme haben sie sich mehr in den Gesamtklang eingefügt. Doch auch wenn dadurch manchmal die Gefahr droht, daß die Soli im lauten Tutti untergehen, scheint mir die Thorofon-Produktion letztlich natürlicher. Bei Rademann hat dieses Meisterwerk von Bruch insgesamt weit mehr Gewicht und ausgeprägte Konturen. Also keine uneingeschränkte Empfehlung dieser neuen Glocke unter Jac van Steen, die insgesamt recht blass bleibt, auch wenn seine Interpretation in sich durchaus stimmig wirkt.

Dr. Benjamin G. Cohrs [28.06.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Max Bruch
1Das Lied von der Glocke op. 45 für Soli, Chor und Orchester

Interpreten der Einspielung

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