Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

Sony Classical 82876727112

1 CD • 70min • 2005

15.12.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Eine ungewöhnliche Programm-Idee: zwei Toccaten-Kompositionen bilden den Rahmen für eine Reihe von „Kleinen Stücken“ aus dem barocken und romantischen Reservoir der pianistischen Unschuld und Raffinesse. Martin Stadtfeld und sein Produzent lassen also auf geschickte Weise nichts unversucht, die augenblicklich gute Konjunktur zu nutzen und damit weitere Marktanteile zu gewinnen. Und auch unter diesen literarischen Bedingungen erweist sich Stadtfeld als eigenwillig intonierender Gestalter, der die Bachsche Toccata mit spitzen Fingern, ungemein durchsichtig, gleichsam kühlen Blickes auf das vertikale und horizontale Geschehen in Bewegung hält. Und auch die präludierenden Kleinigkeiten spielt er mit einem seziererischen Grundton, der jedem Stück von Beginn an eine überraschende Wendung verleiht. Es liegt nahe, an Glenn Goulds Aufnahmen dieser Kleinigkeiten zu denken, aber Stadtfeld liegt es wohl fern, den kanadischen Pianisten zu kopieren. Doch im ungemütlichen, skalpellhaften Ansatz wird der Hörer ein ästhetisches Verwandtschaftsverhältnis feststellen.

Auch in der Schumann-Abteilung der Bunten Blätter herrscht eine Atmosphäre der entfetteten, strengen Liniengebung. Man erinnert sich an Sviatoslav Richters schwungvolle, rhythmisch elastische, klanggesättigte Eurodisc-Aufnahme. Stadtfelds Mitteilungsradius ist enger, in den „geschwinden“ Partien (wie etwa dem Rachmaninoff-nahen Präludium Nr. 10) weniger impulsiv, aber es gelingt ihm jederzeit Interesse zu erregen und – in den verhaltenen, innigen Blätter-Studien – auch zu erhalten.

Etwas enttäuschend ist für meine Vorstellung die Schumann-Toccata geraten. Der Klang wirkt ausgedünnt, der Beginn nicht entschlossen genug – und im anstrengenden, fingerschweißtreibenden Verlauf geht es nicht ohne Intensitätsverluste ab (Oktavenpassage etwa!). Gleichwohl in ihrer Gesamtheit eine respektable, von Individualität geprägte Publikation. Erlaubt sollte es freilich sein, dem Hochbegabten und seinen Firmen-Mentoren die Frage zu stellen, in welchem Tempo sie in nächster Zeit mit Neueinspielungen an die Öffentlichkeit gehen möchten. Gut Ding’, aber auch gut Pianist braucht Weile!

Peter Cossé † [15.12.2005]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Toccata D-Dur BWV 912
2Präludium C-Dur BWV 924
3Präludium d-Moll BWV 926
4Präludium F-Dur BWV 927
5Präludium g-Moll BWV 930
6Präludium F-Dur BWV 928
7Präludium D-Dur BWV 925
8Präludium C-Dur BWV 933
9Präludium c-Moll BWV 934
10Präludium d-Moll BWV 935
11Präludium D-Dur BWV 936
12Präludium E-Dur BWV 937
13Präludium e-Moll BWV 938
14Präludium C-Dur BWV 939
15Präludium c-Moll BWV 999
Robert Schumann
16Bunte Blätter op. 99
17Toccata C-Dur op. 7

Interpreten der Einspielung

Vorherige ⬌ nächste Rezension

21.10.2004
»zur Besprechung«

 / Arcana
" / Arcana"

01.11.1999
»zur Besprechung«

 / Cavalli Records
" / Cavalli Records"

zurück zur Liste

Das könnte Sie auch interessieren

25.07.2020
»zur Besprechung«

Johann Sebastian Bach, a new angle
"Johann Sebastian Bach, a new angle"

13.07.2019
»zur Besprechung«

Boris Bloch, Bach Piano Works 8 / Ars Produktion
"Boris Bloch, Bach Piano Works 8 / Ars Produktion"

03.12.2012
»zur Besprechung«

 / Sony Classical
" / Sony Classical"

29.05.2012
»zur Besprechung«

Raritäten für das Cembalo Cristiano Holtz spielt Bach / Edition Hera
"Raritäten für das Cembalo Cristiano Holtz spielt Bach / Edition Hera"

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige