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CD-Besprechung

Hugo Wolf – Orchesterlieder Prometheus

harmonia mundi HMC901837

1 CD • 69min • 2003, 2004

19.12.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Hugo Wolf hat sich so sehr als Meister des Klavierlieds in das Bewußtsein eingeprägt, daß man leicht dazu neigt, seine Orchesterwerke als zweitrangig, vielleicht sogar mit einer gewissen Nachsicht zu betrachten. Daß dies eine ungerechte Einschätzung ist, wird allein durch seine genialen Orchesterlieder – es sind dies vierundzwanzig Nummern – bewiesen. Wolf, im Grunde ein musikalischer Autodidakt, hat sich die vollkommene Beherrschung des Orchesterapparats angeeignet, vor allem durch das Studium der Wagner-Partituren. Daß Hugo Wolf Wagnerianer durch und durch war, ist eine bekannte Tatsache, das Interessante daran bleibt, daß sich in seinen Klavierliedern kaum direkte Wagner-Abhängigkeit feststellen läßt. Anders ist es hingegen mit den orchestrierten Fassungen seiner Lieder, in denen – oft geradezu überraschend – die „wagnerische“ Physiognomie hervortritt, ohne daß sich etwas an der musikalischen Grundstruktur ändert. Das ist eine Beobachtung, die ganz nahe an den Kern seines Schaffens dringt. Typischer für Wolf, für seine künstlerische Individualität und seine Kunst, sind sicherlich die Klavierlieder, in denen er etwas völlig Neues und Ureigenes geschaffen hat. Dennoch sollte sich niemand, der die Musik Hugo Wolfs liebt, die Bekanntschaft mit den instrumentierten Gesängen entgehen lassen. Die beste Gelegenheit dazu vermittelt diese neue harmonia mundi-Aufnahme, die in jeder Hinsicht als exzeptionell zu bezeichnen ist. Sie faßt sämtliche Stücke des Genres zusammen und ist daher weit über die nur 17 Nummern enthaltende Aufnahme aus Fischer-Dieskaus Spätzeit (auf Orfeo erschienen) zu stellen, nicht zuletzt deshalb, weil sie zwei Gesangssolisten einsetzt und dadurch eine Aufteilung der musikalisch-dichterischen Sphären ermöglicht. Julia Banse mit ihrem warmen, volltönenden Sopran hat sich längst schon als eine der herausragendsten Hugo-Wolf-Interpretinnen bekannt gemacht. Und Dietrich Henschel bewältigt mit seiner kernigen, markanten Baritonstimme nicht nur den wegen der massiven Instrumentation gefürchteten Prometheus, er vermag auch den Gefühlsreichtum der Harfner-Gesänge vollkommen auszufüllen. Beide sind als Sänger, Gestalter und Sprecher (letzteres bei Wolf von höchster Wichtigkeit) ganz auf ihrem Platz.. Gleichsam als Zusatzstück, aber doch zum Thema gehörig, ist die Chorfassung des Feuerreiters, die vom Berliner Rundfunkchor präzise und mit dem passenden Furor vorgetragen wird. Das Berliner Symphonieorchester unter Kent Nagano bietet die perfekte und ausgewogene Grundlage für dieses außergewöhnliche Vokalkonzert. Von erlesener Qualität auch die kompetente Texteinführung von Habakuk Traber. Somit eine Aufnahme, die nicht nur eine wenig bekannte Sparte in Hugo Wolfs Schaffen ins helle Licht stellt, sondern auch durch ihr reiches künstlerisches Volumen beeindruckt.

Vergleichsaufnahme: Orfeo C 219 911 A (Dietrich Fischer-Dieskau, Münchner Rundfunkorchester, Stefan Soltesz)

Clemens Höslinger [19.12.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hugo Wolf
1Denk es, o Seele (1888)
2Gebet
3Auf ein altes Bild (1888)
4Schlafendes Jesukind (1888)
5Karwoche (1888)
6In der Frühe (1888)
7Der Feuerreiter (1888)
8Neue Liebe (1888)
9Wo find' ich Trost (1888)
10Seufzer
11Gesang Weylas
12An den Schlaf (1888)
13Er ist's (Frühling läßt sein blaues Band, 1888)
14Wenn du zu den Blumen gehst (1889 - aus: Spanisches Liederbuch – Weltliche Lieder)
15In dem Schatten meiner Locken (aus: Spanisches Liederbuch – Weltliche Lieder)
16Wer sein holdes Lieb verloren (1889 - aus: Spanisches Liederbuch – Weltliche Lieder)
17Herz, verzage nicht geschwind (aus: Spanisches Liederbuch – Weltliche Lieder)
18Kennst du das Land (Mignon IV, 1888/1889)
19Der Rattenfänger (1888)
20Harfenspieler I-III (nach Gedichten von Joh. Wolfgang von Goethe in der Bearb. für Bariton und Streichquartett von Xaver Paul Thoma)
21Harfenspieler II
22Harfenspieler III
23Anakreons Grab
24Prometheus

Interpreten der Einspielung

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