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CD-Besprechung

Günter Wand-Edition Vol. 14 Geistliche Musik der Wiener Klassik

Profil PH06001

1 CD • 74min • 1982, 1968

31.05.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Viel wurde in der Musikpublizistik seinerzeit von Günter Wands aufsehenerregender Alterskarriere gesprochen. Wie so oft im Journalismus wiederholte man da jedoch ziemlich unhinterfragt und unermüdlich etwas, das sich bei näherem Hinsehen schnell als übertrieben herausgestellt hätte denn Günter Wand hat kontinuierlich und auf höchstem Niveau dirigiert, seit er kaum älter als 20 Jahre alt war. Von Alterskarriere wäre also höchstens zu sprechen in Bezug auf die leider nur noch sehr kurze Phase gegen Ende seines Lebens, als Wand in einigen Konzerten – unter anderem auch in München, und zwar besonders mit Werken Schuberts und Bruckner –, letzte Tiefen einer für ihn vielleicht selbst ungeahnt metaphysischen Zugangsart zur Musik erschloß. Auf keinen Fall jedoch darf „Alterskarriere“ so verstanden werden, als hätte Wand erst im letzten Lebensjahrzehnt zu seiner wirklichen künstlerischen Bestimmung gefunden. Schon die früheren Aufnahmen, besonders natürlich diejenigen mit seinem langjährigen Klangkörper, dem Kölner Gürzenich-Orchester, zeigen die vollkommene Ausprägung derjenigen musikinterpretatorischen Merkmale, die später dann vorschnell als Wands „Spätstil“ deklariert wurden.

Das gilt besonders auch für die Dokumente der reichen Konzerttätigkeit Wands, welche ihn seit den 1970er Jahren häufig zu den Orchestern der deutschen Rundfunkanstalten führten. In diese Rubrik fallen auch die beiden hier innerhalb der Günter-Wand-Edition bei Profil aufgelegten Mitschnitte mit geistlicher Musik der Wiener Klassik. Sie wurden zu sehr unterschiedlichen Zeiten aufgenommen: Mozarts Vesperae de Dominica KV 321 1968 in Köln, Beethovens Messe C-Dur 1982 in München. Trotz der sie trennenden zeitlichen Distanz zeigen beide Aufnahmen ein sie verbindendes künstlerisches Moment, und das liegt in der Natürlichkeit Günter Wands. Als ob es Ende der 1960er bzw. Anfang der 1980er Jahre noch keine stilistischen Richtungsstreitigkeiten gegeben hätte, läßt Wand sowohl 1968 als auch 1982 vornehmlich den Notentext ausmusizieren, sachlich, aber hochmusikalisch, und nicht zuletzt unüberhörbar klangprächtig. In dieser Hinsicht werden die beiden Aufnahmen also durch mehr Ähnlichkeiten geeint als getrennt.

Leichte Differenzen ergeben sich höchstens in der Qualität der Aufführungsapparate. Der BR-Chor erweist sich nämlich in der Beethoven-Messe als etwas flexibler, intonationssicherer und auch konturenstärker als der WDR Rundfunkchor Köln in der älteren Aufnahme der Vesperae Mozarts. Bei Mozart stellt sich eine eher weiche, üppige Klanglichkeit ein, das Orchester klingt nicht immer deutlich umrandet in seinen Linienbildungen, auch nicht immer so unbedingt kontrolliert in der Klangentfaltung; die heutigen Maßstäbe an Schlankheit, ja, Fettlosigkeit des Musizierens darf man nicht anlegen, für den Kenner Wands ist es hingegen sicherlich interessant zu verfolgen, wie der Dirigent solche kleinen Imperfektionen später durch eine sehr viel knappere Diktion zu vermeiden verstand. Hervorragend sind in beiden Fällen die Solisten, wenngleich einzelnen Sängern die Anstrengung des Konzertabends anzuhören ist. Doch das ist innerhalb einer Konzertsituation manchmal eben nicht zu vermeiden, und diese Mitschnitte gewinnen eben nicht zuletzt durch diese Authentizität und Natürlichkeit.

Dr. Michael B. Weiß [31.05.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Messe C-Dur op. 86
Wolfgang Amadeus Mozart
2Vesperae de Dominica KV 321

Interpreten der Einspielung

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