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CD-Besprechung

cpo 777 240-2

3 CD • 2h 53min • 2006

30.07.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

In Andreas Ommers „Verzeichnis aller Operngesamtaufnahmen“ (Stand: 2005) ist keine Einspielung von Lullys Thésée aufgeführt. Es handelt sich bei dieser Produktion von Radio Bremen also um nichts weniger als eine CD-Weltpremiere, ohne dass cpo davon großes Aufhebens macht.

Warum diese „Tragédie en Musique“, die 1675 für den Hof des Sonnenkönigs geschrieben wurde, erst jetzt wiederentdeckt wird, ist schwer nachzuvollziehen, denn wir haben es hier mit einem in jeder Hinsicht starken Stück zu tun, das in seiner glücklichen Synthese von Drama, Gesang und Tanz dem Ideal des Gesamtkunstwerks entspricht. Die Handlung geht auf eine weniger bekannte Episode aus den Sagenkreisen von Theseus und Medea zurück. Die Grundkonstellation ist kompliziert und doch wieder ganz einfach. König Aigeus ist Medea versprochen, will aber sein Mündel Aigle heiraten. Aigle liebt Theseus, den noch unerkannten Sohn des Königs und wird wiedergeliebt. Doch Medea liebt Theseus ebenfalls und versteht in der Angelegenheit keinen Spaß. Mit dem König hat sie kein Problem, denn der läßt sich ohne Not zu einem Deal überreden: Medea bekommt Theseus und er heiratet Aigle. Sie gelangen im Duett zu dem Resumee: „Glücklich sind zwei untreue Liebende, wenn sie’s gleichzeitig sind.“

Solche und ähnliche starke Sprüche durchziehen das gesamte Libretto Philippe Quinaults, der zugleich ein Meister des dramaturgischen Handwerks ist. Die Rechnung Medeas geht nämlich nicht auf. Theseus und Aigle lassen von ihrer Liebe nicht ab, deshalb muß sie alle ihre Zauberkünste aufbieten, und die stehen hinter denen einer Armida oder Alcina nicht zurück. In rascher Folge wechseln in den letzten Akten die Spielorte, die Liebenden fahren erst zur Hölle, werden bald darauf auf eine Zauberinsel versetzt, wo singende, musizierende und tanzende Schäfer ein Arkadien vorgaukeln. Doch unvermittelt befinden wir uns in einem Palast, wo Aigeus Theseus vergiften soll. Noch rechtzeitig erkennt er an dessen Schwert, dass er seinen Sohn vor sich hat. Die zornige Medea läßt das Luftschloß in Flammen aufgehen, doch Minerva sorgt als obligatorische Dea ex machina für ein glückliches Ende.

Das ist Theater pur. Und Lully schlägt aus den vorgegebenen Situationen immer neue musikalische Funken. Vor allem die Tanzsätze haben es in sich. Denn sie stellen keine Einlagen oder Divertissements dar, sondern sind selbst dramatische Aktion. Da kann man sich nicht satt hören und ist über drei Stunden gefesselt – jedenfalls in der exemplarischen Wiedergabe durch das Boston Early Music Festival Orchestra unter seinen beiden Leitern Paul O’Dette und Stephen Stubbs. Da wird auf Originalinstrumenten nicht nur dramatisch eloquent musiziert, sondern zugleich mit einer unbeschreiblichen Grazie, in der die Welt von Versailles zur Zeit des Sonnenkönigs heraufbeschworen wird. Die Solisten, die zugleich den Festspielchor bilden, sind alle gut bis überragend, besonders prägen sich die Stimmen des Tenors Howard Crook (Theseus) und des tiefen Soprans Laura Pudwell (Medea) ein.

Ekkehard Pluta [30.07.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jean-Baptiste Lully
1Thésée

Interpreten der Einspielung

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