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CD-Besprechung

OehmsClassics OC 732

1 CD • 66min • 2008

09.09.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Respekt! Eine unbequeme Art mit dem Klavier umzugehen – und eine Werkfolge, die chronologisch mit dem Rückwärtsgang aufwartet. Der aus St. Petersburg (genauer: aus Leningrad) stammende Jura Margulis staffelt die Werke in folgender Reihenfolge: Berg, Brahms, Beethoven und Bach! Eine markante Idee – wie ich meine –, denn sie zwingt den Hörer (sofern er nicht eine andere Reihenfolge einspeist) im ersten Augen- und Hörblick, sich mit den letzten Ausuferungen, mit den letzten schwülen Wellenbewegungen und harmonischen Ausreizungen der Spätromantik auseinander zu setzen. Nun ist Margulis keineswegs ein pianistischer Hochofenbetreiber. Kühl, sachlich entwickelt er Alban Bergs Opus 1, nicht allzu weit entfernt von Glenn Goulds analytischem Verfahren, stets bedacht, die Konturen nicht verschmelzen zu lassen, sich nicht allzu sehr in ein einsätziges Narkotikum zu begeben und damit den Überblick zu verlieren.

Was ich hier mit knappen Worten am Beispiel von Margulis' Entschlackung der Berg-Sonate zu beschreiben versucht habe, gilt auch für die anderen hier eingespielten Werke. Brahms' Paganini-Variationen erklingen weit entfernt etwa von György Cziffras tatsächlich paganinesken Teufelszüngeleien, entbehren auch einzelner Bravour-Höhepunkte, wie wir sie von Julius Katchen in Erinnerung haben. Und auch von Benedetti-Michelangelis geschmeidiger Eleganz ist Margulis ein (und mehrere) Stück weit entfernt. Es handelt sich um ein trockenes, dabei durchaus bemerkenswertes Referat des Variations-Prozesses, gleichsam hörend zum Mitlesen. Das bedeutet: auch in den folgenden Stücken von Beethoven und Bach zieht Margulis eine Spur der achtsamen Geradlinigkeit, enthält sich jeder klanglichen Zauberei, nimmt in jeder der 32 Beethoven-Variationen unbeirrt Kurs auf das (ihm) Wesentliche, „argumentiert“ auf einer Ebene ähnlich wie der junge Friedrich Gulda, als er am 17. Januar 1959 im Studio 7 des Berliner RIAS Funkhauses diese Abwandlungskette den Mikrophonen überantwortete (Audite 21.404).

Was die Bach-Perspektiven Jura Margulis' anbelangt, wage ich an dieser Stelle nur einzuwenden, dass mir das tänzerische Element der entsprechenden Sätze ein wenig unterbelichtet wirkt. Ich denke da an einen Kollegen wie Andráás Schiff, aber dies soll den musikalisch-moralischen Wert dieser „Englischen' nicht schmälern.

Vergleichsaufnahmen: Brahms: Cziffra (EMI CZS 7673662), Benedetti Michelangeli (EMI, Music & Arts CD 817, bzw. Naxos 8.111351, Warschau 1955 /Altara Archive 1007), Katchen (Decca 4757221), Gavrylyuk (VAI DVD 4357), Cherkassky (WDR Köln 1951 und 1953 /Orfeo C 720071 B), Gilels (Heft 1 - Melodya 10 011134 Tokyo 20.3.1984), Gilels (Heft 1 ? Moskau 1983 VAI DVD 4466), Graffman (CBS 6978), Brancart (Koch/ Discover DICD 920423), Kissin (RCA 09026 68910 2), Arrau (Philips 456 706-2), Tomassi (EMI 572779 2), Libetta (VAI DVD 4225), Wild (Ivory 72008), Kirova (Art Voice 4895), Kobrin (Harmonia mundi HMU 907404); Berg: Gould (Sony), Breidenbach (Signum X99-00), Perahia (Sony SX4K 63380), Litwin (telos music TLS 043), Koyama (Sony SRCR 2339), Aimard (Teldec 0927-43088-2), Fountain (EMI 574164 2), Sassmann (Preiser 90427), P.Hill (Naxos 8.553870), Uchida (Philips 468033-2), Gould (Earliest Recordings Sony 510195-2), Eschenbach (Koch 3-7337-2), López-Vito (edition text + kritik), Badura-Skoda (Genuin 03016/VI), E. Schmidt (Bella Musica BM-CD 14.9007).

Peter Cossé † [09.09.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Alban Berg
1Klaviersonate h-Moll op. 1 00:14:12
Johannes Brahms
2Variationen über ein Thema von Paganini a-Moll op. 35 00:22:53
Ludwig van Beethoven
312 Variationen über ein eigenes Thema c-Moll WoO 80 00:09:34
Johann Sebastian Bach
4Englische Suite Nr. 3 g-Moll BWV 808 00:19:04

Interpreten der Einspielung

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