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CD-Besprechung

Renaissance Berliner Saxophon Quartett

cpo 777 581-2

1 CD • 63min • 2009

08.03.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Seit der Erfindung des Saxophons 1847 geistert der metallische Halbbruder der hölzernen Klarinette in allen Musikstilen herum. Zunächst in der Militärmusik, dann als Bereicherung der Klangfarbenpalette in der Sinfonik. Schließlich in eigens geschaffenen Solokonzerten, in Orchesterpartien neuer Opern, vor allem aber als populärer Spitzenreiter im Jazz, in der Bigband, im Kabarett, gar als beliebtes Clowns-Requisit in der Zirkusmanege. Die Tonbildung durch ein relativ breites Klarinettenmundstück suggeriert Anfängern immer wieder schnelle Anfangserfolge im „leichten“ Blasen auf Kosten fragwürdiger Intonation und Tonqualität. Welche anspruchsvollen Voraussetzungen neben virtuoser Grifftechnik für den Erfolg eines international konzertierenden Saxophon-Ensembles dagegen erfüllt sein müssen, beweist unter nur wenig Gleichrangigen das Berliner Saxophon Quartett. Zum bisherigen Höhepunkt seines CD-Repertoires gehört die Einspielung von Johann Sebastian Bachs Kunst der Fuge. Als eine geradezu klangliche Offenbarung entschlüsselte sie ergänzend zu den vorangegangenen „konventionellen“ Interpretationen die kontrapunktischen Geheimnisse des singulären Werkes der gesamten Musikgeschichte in beispielhafter Transparenz und Plastizität.

Nun also folgen 26 Kurzbeiträge unter dem anspruchsvollen Sammeltitel „Renaissance“. Wiederum werden alle Register einer makellosen Vortrags-, Ensemble- und Klangästhetik gezogen. Diesmal jedoch unter historisch gänzlich veränderten Voraussetzungen. Zwar vermitteln die vier Bläservirtuosen erneut ein betörendes und klangsinnliches Schwelgen in Werkstrukturen aus deren Entstehungszeit zwischen 1450 (noch Mittelalter) und 1650 (schon Barock). Was man aber vermißt, sind so gut wie alle erforderlichen Informationen zu einem musikgeschichtlichen Verständnis und Einfühlungsvermögen. Was – zum Beispiel – verbirgt sich hinter dem generellen Titelhinweis auf offenbar grundsätzlich vorgenommene (notwendige?) „Arrangements“? Da die Einzelstimmen in der Musik des 16. Jahrhunderts den Tonumfang eines Notensystems nicht überschreiten, bedarf es kaum besonderer Arrangierkünste für Aufführungen mit den flexiblen, jedem Renaissance-Blasinstrumentarium weit überlegenen Saxophonen. Was und warum wurde da also arrangiert? Ist der originale Notentext erhalten geblieben oder nicht? Schließlich möchte man wissen, was man hört. Immerhin geht es in vieler Hinsicht um Neuland im CD-Repertoire. Trotz aller kunterbunten Ausdrucksvarianten und Klanganreize hält sich so manche Erstbegegnung mit weniger Bekanntem, historisch jedoch Bedeutendem in Grenzen. Besser fundierte Beiheft-Informationen könnten das Mißverständnis eines Vergleichs mit den vielgescholtenen „Häppchen-Musiken" vieler Klassik-Radiosendungen vermeiden helfen.

Dr. Gerhard Pätzig [08.03.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Giovanni Pierluigi da Palestrina
1Ricercar sol-mi-la-sol 00:01:22
2Ricercar del primo tono 00:02:55
Heinrich Isaac
3Ricercar La mi la sol
4Innsbruck, ich muss dich lassen 00:03:04
5Fammi una gratia, amore 00:01:59
Tylman Susato
6Drei Allemanden und eine Tripla 00:03:00
7Pavan e Gailard (La Donna) 00:02:15
Samuel Scheidt
8Canzon Cornetto a 4 00:02:47
Girolamo Frescobaldi
9Ricercar la-fa-sol-la-re 00:03:19
10Canzona terzadecima 00:02:28
11Ricercar mi-re-fa-mi 00:03:05
Orlando di Lasso
12Die kalte Nacht 00:04:05
13Madonna mia cara 00:01:58
Giovanni Gabrieli
14Canzona prima La Spiritata 00:02:10
15Canzon secondo 00:02:15
John Dowland
16Flow My Tears 00:01:55
17Lachrimae Pavan 00:04:28
Anon.
18Un nino nos es nacido (Cancionero) 00:01:49
Mateo Flecha
19Riu Riu Chiu (Cancionero) 00:01:55
Francisco de la Torre
20Danza Alta (Canzionero) 00:03:17
Anon.
21Ojos garcos (Cancionero) 00:01:53
22E la Don Don (Cancionero) 00:02:17
23Corten espados afilados (Cancionero) 00:01:32
Marbrianus Orto
24Se je perdu mon amy 00:01:42
Josquin Desprez
25Fors seulement
Anon.
26Se je perdu mon amy 00:01:03

Interpreten der Einspielung

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