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CD-Besprechung

Beethoven Streichquartette op. 18

Thorofon CTH2456/2

2 CD • 24min • 2000, 2003, 2004, 2008

29.07.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Als Wolfgang Amadeus Mozart kurz vor seinem Tode den gerade nach Wien gekommenen jungen Ludwig van Beethoven spielen hörte, soll er gesagt haben: „Das ist ein ganz Großer, der uns alle übertreffen wird." Da konnte er die sechs Streichquartette op. 18 nicht kennen, denn sie entstanden erst Ende der 1790er Jahre. Hätte er sie hören können, wäre sein Urteil nicht anders ausgefallen, denn mit dieser Werkgruppe stellte sich Beethoven ebenbürtig neben die großen Quartettzyklen Haydns und Mozarts. Seine Fantasie sprudelt geradezu über, und sein formaler Einfallsreichtum kann immer wieder frappieren, wenn man diese genialen Werke mit der Partitur in der Hand anhört.

Das Philharmonia Quartett Berlin, gebildet aus Musikern der Berliner Philharmoniker, hat bedächtig und ohne Komplettierungs-Eile diesen Werkzyklus Beethovens eingespielt und überzeugt durch ein kaum noch zu übertreffendes spieltechnisches Niveau ebenso wie durch die weite Ausdruckspalette, gepaart mit präziser und doch stets gelöst wirkender dynamischer Ausgestaltung. Sei es die Plastizität der Themenformulierung schon im ersten, dem F-Dur-Quartett, sei es die fast bewegungslose melancholische Stimmung im Adagio-Teil des Finales im abschließenden B-Dur-Quartett, sei es der zuweilen ins Ironische umkippende Ingrimm im c-Moll-Werk op. 18 Nr. 4. Dies ist Quartettspiel vom Allerfeinsten, und es lohnt sich auch, nach den häufigen Konzertwiedergaben der späten Beethoven-Quartette durch reisende Quartettvereinigungen diese frühe Werkgruppe wieder einmal neu zu entdecken. Ein Hochgenuß!

Eine Winzigkeit sei aber kritisch angemerkt: wie behandelt man Generalpausen von mehreren Taktzeiten Länge? Genau durchzählen oder frei gestalten? Beim Ende eines Formteils ist relativ freie Gestaltung der Pausenlänge sicher nicht falsch; oft aber klingt in der Pause als quasi gedachtes Echo noch die Sequenz der vorhergehenden Takte weiter. In diesem letzteren Fall sollte man doch genau auszählen. Gerade hierzu gibt es im F-Dur-Quartett im ersten und zweiten Satz mehrere Beispiele, und hier setzt das Philharmonia Quartett nach der Pause um den Bruchteil einer Taktzeit zu früh ein. Das mag jetzt bürokratisch klingen, ist aber keineswegs beckmesserisch gemeint: es geht recht eigentlich um so etwas wie die „innere Uhr" der Formentwicklung, und die verlangt an solchen Stellen Genauigkeit.

Die editorische Qualität ist nicht ganz zufriedenstellend, denn beim Hersteller hat man völlig vergessen, die Tonarten der sechs Quartette auf dem Cover und bei der Tracklistung anzugeben; selbst im Booklettext werden sie nicht alle erwähnt.

Dr. Hartmut Lück [29.07.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Streichquartett Nr. 1 F-Dur op. 18 Nr. 1 00:29:08
5Streichquartett Nr. 2 G-Dur op. 18 Nr. 2 00:23:43
9Streichquartett Nr. 3 D-Dur op. 18 Nr. 3 00:24:39
CD/SACD 2
1Streichquartett Nr. 4 c-Moll op. 18 Nr. 4 00:24:52
5Streichquartett Nr. 5 A-Dur op. 18 Nr. 5 00:28:15
9Streichquartett Nr. 6 B-Dur op. 18 Nr. 6 00:24:31

Interpreten der Einspielung

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