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CD-Besprechung

Johann Wenzel Kalliwoda

Overtures • Violin Concertinos

cpo 777 692-2

1 CD • 58min • 2011

07.08.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Johann Wenzel Kalliwoda wurde 1801 in Prag geboren und von 1811 bis 1816 am dortigen Konservatorium als Geiger sowie in Musiktheorie und Komposition ausgebildet; bis 1821 gehörte er dann als Geiger dem Prager Theaterorchester an. 1822 trat er in Donaueschingen die Stellung als Kapellmeister bei Karl Egon II. zu Fürstenberg an. Als Fürst ohne Fürstentum unterhielt Karl Egon in seiner ehemaligen Residenz eine Hofhaltung, sein kleiner Staat war 1806 unter die angrenzenden Länder Baden, Württemberg und Hohenzollern-Sigmaringen aufgeteilt worden und er selbst lebte nun in seinem Schloss als reicher fürstlicher Pensionär. Die Stellung am Donaueschinger Hof wurde für Kalliwoda zur Lebensaufgabe: Über 40 Jahre hielt er seinem Dienstherrn die Treue, 1866 ist er kurz nach seiner Pensionierung gestorben.

Das vor einigen Jahrzehnten zögernd einsetzende Interesse an Kalliwoda, der als Bindeglied zwischen Klassik und Romantik gelten darf, hat nur zu einer kleinen Zahl von Schallplatteneinspielungen geführt, die außerhalb von in Sammelprogramme eingefügten Einzelstücken das umfangreiche Œuvre des Komponisten gewürdigt haben. Daher gebührt dem Label cpo Dank dafür, dass es sich nun schon mit der dritten Produktion für das großformatige Schaffen des Komponisten einsetzt. Bisher erschienen zwei CDs mit Sinfonien, eine mit dem Neuen Orchester unter Christoph Spering und eine weitere mit dem Orchester dieser CD, der Kölner Akademie, ebenfalls unter Michael Alexander Willens.

Ein Genre der Instrumentalmusik, das Kalliwoda mit insgesamt 24 Werken bedient hat, ist die Konzertouvertüre. Hier erweist er sich als einfallsreicher Praktiker, da diese effektvollen und abwechslungsreichen, aber nicht zu langen Stücke eine ideale Eröffnungsmusik für einen Konzertabend darstellen. Bereits die beiden sinfonischen cpo-Veröffentlichungen hatten jeweils auch eine dieser Ouvertüren im Programm, und die vorliegende CD mit zwei Violin-Concertini bietet gleich drei davon an – eine gute Gelegenheit, sich von Kalliwodas Fantasie auf diesem Gebiet zu überzeugen.

Die beiden Concertini für Violine und Orchester hat der Komponist für eigene Aufführungen geschrieben: Nr. 1 in E-Dur spielte er am 5. März 1829 im Leipziger Gewandhaus, das fünfte Concertino in a-Moll ist vermutlich die Umarbeitung eines größer dimensionierten Konzerts in gleicher Tonart: Dieses fand bei seiner Uraufführung 1840, ebenfalls im Leipziger Gewandhaus, nicht den ungeteilten Beifall von Publikum und Kritik und wurde daraufhin in eine kleinere Form gegossen, die dennoch den Heroismus der Urversion ahnen lässt.

Noch vor seinem Tod musste Kalliwoda ein steigendes Desinteresse des Publikums an seiner Musik erleben. Im aufkeimenden Streit zwischen „Klassikern“ und „Neudeutschen“ waren sein Melos und Pathos gewissermaßen aus der Zeit gefallen, und so sind seine Werke seit Mitte der 1840er Jahre mehr und mehr aus den Konzertsälen verschwunden. Wenn auch Kalliwoda wohl nicht mit jüngeren Zeitgenossen wie Mendelssohn und Schumann in eine Reihe zu stellen ist, hat er es aber nach mehr als anderthalb Jahrhunderten in der Ecke Stehen durchaus verdient, dass sein Schaffen dem heutigen Publikum als gewichtige Facette des Musiklebens der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder angeboten wird.

Ariadne Daskalakis, international renommierte amerikanische Violinistin mit griechischen Wurzeln, ist Professorin für Violine an der Kölner Musikhochschule. In harmonischer Gemeinschaft mit Michael Alexander Willens und der Kölner Akademie lässt sie den beiden Concertini klanglich und gestalterisch volle Gerechtigkeit angedeihen und hütet sich dabei vor allen Übertreibungen, die den flüssigen, aber auch etwas glatt komponierten Stücken mehr geschadet als genützt hätten. Die liebevolle Aufmerksamkeit, mit der sich die Interpreten den Stücken widmen, bewahrt die Musik davor, mit dem faden Beigeschmack von Gelegenheitskompositionen assoziiert zu werden. Als die kompositorischen Schwergewichte dieser CD stellen sich allerdings eindeutig die drei Ouvertüren heraus, sie entwickeln in ihrem zeitlich begrenzten Rahmen überaus passend jeweils eine eigene schlüssige Dramaturgie.

Bezüglich der Programmabfolge der Stücke ist die Auflistung der Rückseite der CD die verlässliche Informationsquelle, in der Titelliste des Booklets sind die Angaben leider durch einen ärgerlichen Fehler durcheinandergekommen.

Detmar Huchting [07.08.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Wenzel Kalliwoda
1Ouvertüre Nr. 3 C-Dur op. 55 00:04:31
2Violin Concertino Nr. 5 a-Moll op. 133 00:22:04
5Ouvertüre Nr. 7 c-Moll op. 101 00:07:47
6Violin Concertino Nr. 1 E-Dur op. 15 00:16:00
9Ouvertüre Nr. 10 f-Moll op. 142 00:07:02

Interpreten der Einspielung

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