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CD-Besprechung

Wolfgang Amadeus Mozart

La Clemenza di Tito

cpo 777 870-2

2 CD • 2h 23min • 2013

22.08.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Ist das nur kurios oder kündigt sich hier eine Trendwende an? Jahrzehntelang, seit Harnoncourts Pionierarbeiten, war in der Alte-Musik-Szene (in die auch die Werke Mozarts eingebunden sind) Authentizität das oberste Gebot. Historisch-kritische Editionen, historisch informiertes Musizieren bis hin zum Originalklang-Fetischismus galten als erste Voraussetzungen für adäquate Interpretationen. Zutaten von fremder Hand – sei es in der Orchestrierung oder bei den Vortragsbezeichnungen – waren streng verpönt. Die Vollblut-Puristen gar ließen auch Änderungen nicht gelten, die der Meister selbst, der Theaterpraxis geschuldet, an seinen Werken vorgenommen hatte. Wer auf sich hielt, spielte Don Giovanni selbstverständlich in der Prager Urfassung und nicht in der Wiener Version, ließ also konsequent die Arien „Dalla sua pace“ und „Mi tradì quell’ alma ingrata“ weg.

Bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik ging man nun unter der Leitung von Alessandro de Marchi, dem Nachfolger von René Jacobs, den entgegengesetzten Weg, indem man Mozarts Opera seria La clemenza di Tito nicht in der Prager Originalfassung auf die Bühne brachte, sondern in einer 1804 für Wien eingerichteten Version, die vier zusätzliche Nummern enthielt, die nicht von Mozart stammen, sondern von Joseph Weigel und Johann Simon Mayr. Dramaturgisch sind sie lediglich für die Partie des Titus relevant, dessen homoerotisch gefärbte Freundschaft zu Sextus deutlicher herausgearbeitet wird.

Nun hat Mozart ja selbst einige Einlage-Arien zu Opern anderer Komponisten geschrieben. Das war damals gang und gäbe. Im vorliegenden Fall aber ist das Qualitätsgefälle zwischen den originalen und den hinzugefügten Nummern unüberhörbar. Auch wenn Mayrs Arie mit Chor „Non tradirmi in quest’istante“, die an die Stelle von Mozarts „Se al impero“ gesetzt ist, einigen Reiz im Melodischen wie im Virtuosen hat und in einem anderen Kontext durchaus überzeugen könnte.

Eine weitere offenbar zeittypische Neuerung war das Ersetzen des Cembalos durch einen Kontrabass in den Rezitativen. Sobald sich beim Hören der Reiz des Neuen erschöpft hat, wird das Fehlen des Harmonieinstruments aber störend spürbar.

Diese Innsbrucker Ausgrabung einer korrumpierten Version von Mozarts letzter Oper hat also nur begrentteb musikhistorischen Wert und der jetzt vorliegende Mitschnitt dürfte andere Ensembles kaum zur Nachahmung anregen. Das Orchester der Academia Montis Regalis spielt unter de Marchis Leitung drahtig und federnd, es fehlt aber an dramatischem Pulsschlag, so dass vor allem in den großen Arien, aber auch in einigen Ensembles ungewohnte Längen entstehen. Diese gehen freilich auch auf das Konto einer wenig signifikanten Sängerbesetzung. Nur Carlo Allemano, stilistisch und technisch souverän, gewinnt als Titus gestalterisches Profil. Die in anderen Aufführungen im Vordergrund stehenden Partien Vitellia und Sesto sind dagegen mit Nina Bernsteiner und Kate Aldrich nur zweitklassig besetzt. Der Rest ist allenfalls solide. Insgesamt zu wenig für eine Oper, die in einigen exzellenten Aufnahmen sowohl auf CD wie auf DVD vorliegt.

Ekkehard Pluta [22.08.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1La Clemenza di Tito KV 621

Interpreten der Einspielung

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