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CD-Besprechung

Bartók

Violin Concertos Nos. 1 & 2

Ondine ODE 1317-2

1 CD • 60min • 2017

15.05.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Wenn man die dreißig Jahre auseinander liegenden beiden Violinkonzerte Béla Bartóks hintereinander hört, glaubt man sich in zwei verschiedenen Welten. 1907-08 lässt der Komponist noch wenig von einer persönlichen Tonsprache erkennen: Das zweisätzige, formal am ehesten als großangelegte Rhapsodie zu charakterisierende Werk, folgt in seinem spätromantischen Duktus noch sehr den Spuren eines Richard Strauss und wurde als Produkt seiner unerwiderten Liebe zur Geigenvirtuosin Stefi Geyer erst nach Bartóks Tod uraufgeführt. Der erste Satz mit seiner sich weit aufschwingenden, jugendlich überschwänglichen Melodik wurde 1911 zum ersten seiner Zwei Porträts op. 5. Der zweite Satz des 1. Violinkonzertes, in Sonatenform, zeigt die mehr extrovertierte Seite Geyers und klingt stellenweise fast wie Zemlinsky. Das Werk ist im Konzertsaal leider so gut wie nie zu hören; dass es dennoch ein äußerst wirkungsvolles Solokonzert ist, beweist einmal mehr die vorliegende Einspielung. Christian Tetzlaff kann sowohl den noch fast mädchenhaft schwärmerischen Tonfall des ersten wie auch den selbstsicheren, teils koketten, teils zielstrebigen des zweiten Satzes überzeugend auf der Geige darstellen. Hannu Lintu sekundiert hier mit seinem Finnischen Radio-Sinfonieorchester auf Augenhöhe – der romantische Klang wird differenziert und mit adäquater dynamischer Abstufung umgesetzt. Eine lohnende Auseinandersetzung auch für den Hörer.

Das zweite Violinkonzert (1938) gehört hingegen ganz unbestritten zu den großen Meisterwerken des 20. Jahrhunderts. Hier ist Bartók auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft, sowohl sein bis ins kleinste Detail gehender musikalischer Konstruktivismus wie auch die langjährige Beschäftigung mit authentischer Volksmusik kommen auf schönste Weise zum Tragen. Nur wenige zeitgenössische Werke haben einen vergleichbaren Sprung ins Standardrepertoire geschafft. Entsprechend groß ist natürlich auch die Konkurrenz an hervorragenden Aufnahmen. Tetzlaff als Solist gehört hier mit zur ersten Liga, das wird von Beginn an klar. Er betont im Violinpart mehr die lyrische Seite als virtuose Eloquenz, hat aber durchaus den Mut zum Überraschenden, Harten, beinahe Hässlichen. Die berühmte Vierteltonstelle im ersten Satz hat man selten so unheimlich gehört. Der langsame Satz gelingt grandios, aber im Finale wird das Spielerische derart unverbindlich vorgetragen, dass das dahinter verborgene Konzept dieses in jeder Hinsicht überaus komplizierten Satzes völlig aus dem Fokus gerät. Das hat auch der Dirigent zu verantworten, dem es im gesamten Konzert nicht wirklich gelingt, einen großen Bogen zu spannen. Klanglich finden sich oft schöne Details, Kontraste werden allerdings teilweise zu halbherzig angegangen. Leider geraten gerade einige zentrale Höhepunkte im Kopfsatz derart zu einem lauten, undifferenzierten Klangbrei, dass selbst die Hauptstimmen nicht mehr erkennbar sind. Man kann natürlich bei einem Tonträger schwerlich festmachen, inwieweit daran auch die Tontechnik eine Mitschuld trägt – hier scheinen es allerdings eher Versäumnisse in der Probenarbeit zu sein, die zu solchen Patzern geführt haben mögen. Das ist schade, denn auch aufnahmetechnisch ist diese CD über weite Strecken mehr als erfreulich. So kann beim berühmteren Stück trotz des durchaus eigenständigen und konsequent durchgezogenen Konzepts Tetzlaffs diese Einspielung nicht wirklich an die allerbesten heranreichen. Die Darbietung des ersten Violinkonzerts braucht zum Glück keine Vergleiche zu scheuen und kann ohne Abstriche empfohlen werden.

Vergleichsaufnahmen: Violinkonzert Nr. 1:

Gidon Kremer, Berliner Philharmoniker, Pierre Boulez (2004, DG 0289 477 7440 2)

Violinkonzert Nr. 2: Kyung Wha Chung, London Philharmonic, Georg Solti (1977, Decca 468 835-2)

Martin Blaumeiser [15.05.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Béla Bartók
1Konzert Nr. 2 Sz 112 für Violine und Orchester 00:38:02
4Konzert Nr. 1 op. posth. Sz 36 für Violine und Orchester 00:22:21

Interpreten der Einspielung

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