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CD/SACD stereo-Besprechung

Edition Hofkapelle 1

Harmoniemusik
Beethoven • Gréty • Reicha

MDG 938 2250-6

1 CD/SACD stereo • 72min • 2021

19.03.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Die Churköllnische Hofkapelle des in Bonn residierenden Kölner Kurfürsten Maximilian Franz war um 1790 eines der größten Orchester Deutschlands, das daraus sich gründende achtköpfige Bläserensembles eines der glanzvollsten, die damit gespielte Harmoniemusik, „Unterhaltungsmusik“ im besten Sinne. Das hört man auf dieser CD, auf der die kurkölnische Tradition fortgesetzt wird: Alle Bläser sind Mitglieder des Beethoven Orchesters Bonn, das „in gewisser Weise legitimer Nachfolger“ dieses ‚Bonner Ur-Orchesters‘ ist“ – so formuliert es launig das Booklet.

Viele theatrale Elemente

Auf welch hohem Niveau damals musiziert wurde, demonstriert diese „Hofkapelle“ zum großen Genuss des Hörers: Alles ist immer äußerst sauber intoniert, aufs i-Tüpfelchen akkurat zusammen artikuliert, quasi gemeinsam geatmet und im gemeinsamen Rhythmus schwingend. Alle Stücke sind hochvirtuos gespielt, da „hört“ man keinen diesbezüglichen Schweiß, alles klingt immer leicht beschwingt, champagnerähnlich moussierend. Die Bläser können samtweich und warm „singen“, aber auch spitzbübisch-grell agieren. Das höchst lebendige Spiel teilt sich auch körperlich mit: Beim Hören gerät der Körper des Hörers unwillkürlich in mehr oder minder tanzende Bewegung – wohl eine Wirkung dessen, was das Booklet so beschreibt: „…die Bedeutung der theatralen Elemente, die Essenz von Geste, Deklamation, Konversation und Konflikt.“ So fühlt man sich immer in einer höchst geistreichen, anregenden Unterhaltung, die Worte, Aperçus, Repliken und Bonmots fliegen hin und her.

Zartes Spiel der Klanglinien

Beethovens instrumental ausgefeiltes Rondino schwankt zwischen höfischer Gebrauchsmusik und ernsthafter Arbeit – Beethoven wollte wohl nicht nur „unterhalten“. Sehr humorvoll ausgespielt sind die Echo-Effekte. Das zarte Spiel der Klanglinien in Beethovens Sextett ist akustisch aufgefächert, das Spiel der Synkopen im Trio des Menuetts schafft produktive Unruhe, schnell wechseln die Musiker im Menuett des Oktetts ab zwischen Staccati, Trillern und Serenaden-Seligkeit und bleiben auch im hurtig dahinjagenden Presto des Finales immer leichtlippig.

Ausgesprochenes Hörvergnügen bereiten die beiden Stücke, die nicht von Beethoven stammen: Eine veritable viersätzige Mini-Sinfonie ist die Bläserparthie von Joseph Reicha (Onkel des berühmteren Anton Reicha) mit herrlich hingetupfter Fagott-Musik, fröhlich lachenden Klarinetten und sich scheinbar Witze erzählenden Synkopen. Und mit einer großen Arie mit Orchester-Begleitung beginnt die von Franz Ehrenfried arrangierte melodieselige Richard-Coeur-de-Lion-Suite Nr. 2 von André-Ernest-Modeste Grétry, die mit dem dazuspielenden Kontrabass eine wohlig-dunkle Färbung bekommt.

Wie immer sehr sorgfältig bei den Produktionen von Dabringhaus und Grimm ist der Klang gestaltet: Hörbar sitzen die Musiker schön im Raum verteilt, dessen eigener Klang sich unmittelbar mitteilt.

Rainer W. Janka [19.03.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Oktett Es-Dur op. 103 00:21:24
André-Modeste Grétry
5Richard Cœur-de-Lion (Suite Nr. 2) 00:12:45
Ludwig van Beethoven
11Rondino Es-Dur WoO 25 für 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Hörner und 2 Fagotte 00:07:37
12Sextett Es-Dur op. 71 für Holzbläser 00:19:36
Anton Reicha
16Bläserparthie Es-Dur (Sextett) 00:10:50

Interpreten der Einspielung

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