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CD-Besprechung

Vanguard 99212

3 CD • 2h 03min • 2000

01.02.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Es gibt und gab kaum eine seriöse Streichquartettformation, die sich nicht an Beethovens unerreichter Quartettkunst zu messen versucht hätte. Wenn seinerzeit Johannes Brahms den "Riesen" Beethoven hinter sich marschieren hörte, wird es angesichts der drückenden Last von Konkurrenzaufnahmen dem Brodsky-Quartett sinngemäß wohl ähnlich ergangen sein. Um es gleich vorwegzuschicken, interpretatorisch bietet die Aufnahme in puncto Beethoven wenig Neues. Sicher, es wird solide musiziert, zuweilen sogar erstklassig. Zieht man jedoch zum Vergleich die Einspielung des Alban-Berg-Quartetts von 1980/81 heran, wird deutlich, daß die Konkurrenz einfach in einer anderen Liga spielt: Hier wirkt alles natürlicher, gleichzeitig konturenscharf bis ins kleinste Detail durchdacht, die Themen abgezirkelt, schlüssiger, klarer und plastischer modelliert, in ihren Proportionen stets erfaßt, agogisch und dynamisch auf das Höchste verfeinert. Insofern bleibt die Aufnahme der Brodskys leider eben nur eine unter vielen. Was die Produktion dennoch hörenswert macht, ist das dramaturgische Konzept. Jedem der Beethovenschen Quartette op. 18 ist ein eigens für dieses CD-Projekt komponiertes, reflektierendes Werk der Gegenwart zur Seite gestellt. Hier erweist sich das Ensemble als sehr engagiert und kompetent, jedoch können nicht alle Versuche kompositorisch überzeugen. Javier Alvarez' Quartett ist zwar mit Salsa-Rhythmen gewürzt, wirkt aber auf die Dauer zu dicht, zu wenig abwechslungsreich und damit ermüdend. Ebenso hinterläßt Jegedes Beitrag einen nur blassen Gesamteindruck: einige zauberhafte Klangwirkungen bei einer insgesamt dürftigen Substanz. Sally Beamishs eher unterhaltsames und leichtgewichtiges Opus California scheint gerade zu Beethovens c-Moll-Quartett konträr kontrapunktisch. Der japanischen Komponistin Karen Tanaka hingegen gelingt mit ihrem Quartett ein origineller Wurf - sehr persönlich und zwingend aus Beethovens Vorlage heraus entwickelt, und auch Elena Firsovas zehntes Streichquartett vermag in seiner lyrisch dichten Sprache zu überzeugen. Am interessantesten erscheint mir Smirnovs op. 106, eine überaus klangsinnliche, in ihren Mitteln differenzierte Musik von großer kompositorischer Meisterschaft. Die Aufnahme klingt insgesamt ordentlich, doch hat sich (zumindest auf dem mir vorliegenden Exemplar) auf der dritten CD ein übler Schnittfehler eingeschlichen: Es fehlen bei einer Wiederholung drei Viertel eines Taktes. Bleibt die Frage, auf welche Klientel diese Produktion zielt. Beethovens op. 18 gibt es in schlüssigeren Aufnahmen. Ob nun die 35 Minuten überzeugender zeitgenössischer Quartettliteratur die Anschaffung lohnen, sei dahingestellt.

Heinz Braun [01.02.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Streichquartett Nr. 1 F-Dur op. 18 Nr. 1
2Streichquartett Nr. 2 G-Dur op. 18 Nr. 2
3Streichquartett Nr. 3 D-Dur op. 18 Nr. 3
4Streichquartett Nr. 4 c-Moll op. 18 Nr. 4
5Streichquartett Nr. 5 A-Dur op. 18 Nr. 5
6Streichquartett Nr. 6 B-Dur op. 18 Nr. 6
Javier Alvarez
7Metro Nativitas
Tunde Jegede
8Streichquartett Nr. 2
Karen Tanaka
9At the Grave of Beethoven
Sally Beamish
10Opus California
Dmitrij Smirnov
11Streichquartett Nr. 6 op. 16
Elena Firsova
12Streichquartett Nr. 10 op. 84 (La Malinconia)

Interpreten der Einspielung

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