Auch wenn die Werke des russischen Komponisten Sergej Liapunow im heutigen Musikrepertoire nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen, ist Liapunow doch eine wichtige Persönlichkeit in der russischen Musikgeschichte. Sein kompositorischer Einfluss ist zwar kaum so weitreichend wie der seiner Kollegen aus dem „Mächtigen Häuflein“, mit denen er in Berührung kam, aber als Pianist und Pädagoge war Liapunow überaus geschätzt und angesehen. Sergej Liapunow wurde am 30. November 1859 in Jaroslawl geboren. Den ersten Klavierunterricht erhielt er von seiner Mutter. Als er acht Jahre alt war, starb sein Vater. Die Mutter zog mit ihren drei Söhnen nach Nischni Nowgorod. Dort besuchte Sergej das Gymnasium und Kurse der neu gegründeten Russischen Musikgesellschaft. 1878 wechselte er auf Empfehlung von Nikolai Rubinstein, dem Direktor des Moskauer Konservatoriums, ans Konservatorium und schloss sein Studium 1883 erfolgreich ab. Zwei Jahre später zog Liapunow nach St. Petersburg, wo er Mily Barakirew traf, der ihn förderte. 1893 wurde Liapunow zusammen mit Balakirew und Anatoli Lyadov von der Kaiserlichen Geographischen Gesellschaft beauftragt, Volksliedgut aus den verschiedenen Regionen Russlands zu sammeln. Ihre Sammlung mit ca. 300 Liedern wurde 1897 von der Gesellschaft veröffentlicht. Mit Balakirew zusammen leitete Liapunow von 1894 bis 1902 die Hofsängerkapelle, er unterrichtete ab 1905 an der von Balakirew gegründeten Musik-Freischule und übernahm von 1908 bis 1910 die Leitung der Schule. 1910 ging er als Professor für Klavier ans St. Petersburger Konservatorium, 1917 unterrichtete er auch Komposition. Eine Jahr später beendete Liapunow seine Lehrtätigkeit. Nach der russischen Revolution emigrierte Liapunow 1923 nach Paris. Dort gründete er eine Musikschule für russische Emigranten, bereits ein Jahr später starb Sergej Liapunow jedoch unerwartet am 8. November 1824 an einem Herzinfarkt. Seine Konzerttourneen als Pianist hatten ihn auch nach Westeuropa geführt, einschließlich Deutschland und Osterreich 1910-1911. Er verfügte über ein ungewöhnlich breites Repertoire. Als Dirigent war Liapunow 1904 in Berlin und 1907 in Leipzig aufgetreten. Kompositorisch war er stark geprägt einerseits von seinem Mentor Mily Balarirew, der sein Interesse an russischen Volksliedthemen und Orientalismen wie Melodien aus dem Kaukasus geweckt hatte. Nicht zuletzt hat Liapunow auch einige von Balakirew unvollendeten Werken vervollständigt. Andererseits war er von dem brillanten, virtuosen Klaviersatz Franz Liszts und dessen Themenverarbeitung fasziniert. Während die meisten seiner Werke heute nahezu vergessen sind, gehören seine Douze études d'exécution transcendente nach dem Vorbild Liszts nach wie vor zum pianistischen Repertoire. Die Etüden sind im memoriam Franz Liszt gewidmet, wobei die letzte Etüde explizit den Titel Élégie en memoire de Franz Liszt trägt. Von Sergei Liapunov existieren vier authentische Einspielungen eigener Werke (Op. 11 Nr. 1, 5 und 12 und Op. 35), die er im Frühjahr 1911 auf einem Welte-Mignon-Klavier auf Walzen eingespielt hat.
»Sergej Liapunow: Biographie und Einspielungen«
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