Neben Johann Strauß und Franz von Suppé ist Karl Millöcker der dritte „Klassiker“ der Wiener Operette. Er wurde am 29. März 1842 in Wien geboren und sollte eigentlich wie sein Vater Goldschmied werden. Karl wandte sich jedoch der Musik zu und spielte schon mit 16 Jahren im Orchester des Theaters an der Josephstadt die 1. Flöte. Hier wurde Franz von Suppé auf das Talent des jungen Mannes aufmerksam und sorgte dafür, dass Millöcker nach Absolvierung des Konservatoriums 1864 Kapellmeister am Grazer Landestheater wurde. Hier versuchte er sich mit Der tote Gast (1865) erstmals als Bühnenkomponist. Nach vier Jahren kehrte Millöcker nach Wien zurück und erneut war es Suppé, der sich dafür einsetzte, dass Millöcker nach kurzer Zwischenstation am Wiener Harmonietheater 1869 für mehr als zehn Jahre zum 1. Kapellmeister und Hauskomponisten des Theaters an der Wien avancierte. In dieser Position hatte er zahllose Possen und Volksstücke mit Musik zu versehen, doch erst ab etwa 1871 war er mit kleineren bzw. abendfüllenden Operetten erfolgreich. Den ersten großen Erfolg konnte er 1878 mit Das verwunschene Schloss feiern. 1879 folgte die äußerst beliebte Operette Gräfin Dubarry und 1882 Millöckers absoluter Hit und Evergreen Der Bettelstudent, der bis heute zum Stammrepertoire der Operette gehört. Nach Gasparone (1884) und Der Feldprediger (1884) wirkten seine weiteren Operetten Der Vizeadmiral (1886) und Der arme Jonathan (1890) nicht mehr so inspiriert und zündend. Millöcker gelang es nie ganz, aus dem Schatten der großen Vorläufer Johann Strauß und Franz von Suppé herauszutreten, dennoch verdanken wir ihm als Drittem im Bunde der Väter der Wiener Operette mit Gräfin Dubarry, Der Bettelstudent und Gasparone drei Glanzlichter der Operette. Millöcker starb am 31. Dezember 1899 in Baden bei Wien.
»Carl Millöcker: Biographie und Einspielungen«
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