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CD-Besprechung

EMI 0946 3 94422 2 5

1 CD • 73min • 2007

24.10.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Wenn man den Einführungstext von Jonathan Biss zu seiner dritten, ausschliesslich Beethoven gewidmeten CD-Veröffentlichung liest, erkennt man einen Sucher nach den Wurzeln: „Beethoven ist mehr als ein Komponist. Er ist eine Lebenskraft.“ Einschließlich der moralischen Wertung: „Beethoven spielen, das zwingt einen dazu, ein besserer Musiker, ein besserer Mensch zu werden.“ Ich weiss nicht, ob der 27-jährige Amerikaner und Leon Fleisher-Schüler inzwischen ein besserer Mensch geworden ist. Aber ich weiss, dass er seine philosophischen Einsichten mit grüblerischer Beharrlichkeit zu verwirklichen trachtet. Es gibt gewiss temperamentvollere, mitreissendere Interpretationen. Wer nach inneren Spannungen, nach dem Brodeln unter der Oberfläche sucht, der findet in Biss einen aufgeschlossenen Partner. Sein eher weicher Anschlag kommt dieser Tendenz zweifellos entgegen.

Zwar betont Jonathan Biss in seinem Text immer wieder das Dramatische in Beethovens Musik, sei es in den starken Kontrasten von Schmerz und Freude, sei es im „Nebeneinander von Aufruhr und Trost“. Dennoch gehört er nicht zu jenen, die solche Gegensätze exzessiv ausschlachten; eher ist er einer, der mit Insistenz der offenen oder versteckten Aussage nachgeht. Es ist also das innere Drama, das Biss namentlich in den stilistischen Übergangswerken (op. 28 und op. 90) hervorzukehren sucht. Akzentuierende Hauptstücke sind, in seiner Lesart, eher im frühen (Pathétique op. 13) und im ganz späten Schaffen Beethovens (E-Dur-Sonate op. 109) anzutreffen. Das Nach-innen-Nehmen der Konflikte mag auch ein Ausweichen bedeuten – ein Ausweichen zumindest vor der theatralischen Attitüde. Die Gefahr scheint indessen nicht ganz gebannt, dass sich ein Interpret in der eigenen Ton-Welt einspinnt, dass er alles Nichtpassende ausschaltet. Andererseits lässt sich kaum bestreiten, dass Jonathan Biss – abgesehen vom perfekten handwerklichen Können – dies mit Konsequenz tut. Wohl am schlüssigsten im Finale des Opus 109, dessen „gesangvolle“ Verhaltenheit er entschlossen durchzieht. Biss verfügt über eine interpretatorische Überredungs- und Überzeugungskraft, der man sich kaum entziehen kann, denn man spürt in jedem Takt die Denkarbeit und das heisst auch: die persönliche Auseinandersetzung.

Mario Gerteis † [24.10.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Klaviersonate Nr. 8 c-Moll op. 13 (Pathétique) 00:17:38
4Klaviersonate Nr. 15 D-Dur op. 28 (Pastorale) 00:23:57
8Klaviersonate Nr. 27 e-Moll op. 90 00:12:10
10Klaviersonate Nr. 30 E-Dur op. 109 00:19:26

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