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CD/SACD stereo-Besprechung

Franz Liszt

Complete Organ Works Vol. 1

MDG 906 2140-6

1 CD/SACD stereo • 76min • 2018

16.06.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Die Organistin Zuzana Ferjenčiková macht augenscheinlich Nägel mit Köpfen: zwei Gesamtaufnahmen hat sie sich derzeit bei dem Label MDG aufgehalst: nicht nur, dass sie das komplette Orgelschaffen des französischen Orgelvisionärs Jean Guillou aufnimmt, auch Franz Liszt hat es ihr angetan. Alle seine Orgelwerke, und darunter sind wirklich alle zu verstehen, nimmt sie derzeit an zeittypischen Instrumenten auf. Da darf man getrost ein paar echte Pretiosen und Repertoireperlen erwarten, denn bereits die erste Folge der Gesamteinspielung hat ein paar in petto. Die romantisierende „Bearbeitung“ des Choralvorspiels Aus tiefer Not ist da nur eine, Einleitung, Fuge und Magnificat aus Liszts eigener Dante-Sinfonie eine andere. Hier hat der Komponist sich selbst bearbeitet, aber auch Bearbeitungen von Werken Otto Nicolais (Fest-Ouvertüre über Ein feste Burg) und Lasso (Regina coeli) ergänzen das Liszt-Bild in gewinnender Weise. Gerade die Dante-Bearbeitung ist ein ungemein grandioses, – und leider – nie im Konzert zu hörendes Werk, das das Liszt‘sche Orgelrepertoire mal über das übliche Ad nos und B-A-C-H-Einerlei erweitern könnte. A propos B-A-C-H: dieses Präludium und Fuge spielt Ferjenčiková hier in der 1855 zur Einweihung der Merseburger Domorgel komponierten Erstfassung ein. Die Unterschiede zur weitaus bekannteren Fassung von 1870 sind in nahezu jedem Takt evident. Die Erstfassung ist roher, klavieristischer, brillanter, und Ferjenčiková fetzt sie mit atemberaubender und musikalisch gleichwohl stets nie aufgesetzt wirkender Brillanz runter. Das ist schlichtweg großartig, und zwar uneingeschränkt und in jeder Hinsicht.

Großer Wurf

Dabei kratzt Ferjenčiková zwar mitunter an den spieltechnisch möglichen Grenzen der historischen Mooser-Orgel in der Kathedrale Saint-Nicolas im schweizerischen Fribourg, doch dürfte auch das gewissermaßen ganz im Sinne des chronischen Flügelzertrümmerers Liszt sein. So weit geht Ferjenčiková hier natürlich nicht, doch zeugt das nicht zuletzt davon, dass Liszt mitunter größer gedacht und komponiert hat als die Instrumente, die ihm seinerzeit zur Verfügung standen. Zuzana Ferjenčiková hält jedoch ebenso mit der unglaublichen Virtuosität der Orgelwerks Liszts Schritt, wie sie die verinnerlichte, oft genug von mystisch-religiöser Verzückung getragene Emphase nachvollziehen kann. Liszts Bach-Bearbeitungen sind hierfür ein gutes Beispiel. Obwohl völlig unhistorisch, ist das Ergebnis doch nicht weniger beeindruckend als das Original. Das ist nicht zuletzt Ferjenčikovás Verdienst, denn so subtil wie sie die zwischen Barock und Romantik vermittelnde Klangsubstanz der Mooser-Orgel ausnutzt, so feinsinnig wie sie Klänge findet, die Emphase wie Struktur der Werke widerspiegeln, und so technisch-musikalisch überlegen wie sie spielt kann man getrost sagen: diese erste Folge ihrer Liszt-Gesamteinspielung macht eindeutig neugierig auf die Fortsetzung. Musikalisch setzt sie in jeder Hinsicht Maßstäbe und tontechnisch in der bei MDG gewohnten Qualität sowieso.

Guido Krawinkel [16.06.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Liszt
1Präludium und Fuge über B-A-C-H 00:11:49
2Ave Maria 00:08:40
Johann Sebastian Bach
3Ich hatte viel Bekümmernis (Einleitung und Fuge - Bearb. für Orgel) 00:05:15
4Aus tiefer Not schrei ich zu dir (Bearb. für Orgel) 00:08:18
5Adagio (aus der Sonate Nr. 4 für Violine und Cembalo - Bearb. für Orgel) 00:05:03
Otto Nicolai
6Kirchliche Fest-Ouvertüre über den Choral »Ein feste Burg ist unser Gott« (Bearb. für Orgel) 00:10:12
Orlando di Lasso
7Regina coeli (Bearb. für Orgel) 00:05:04
Franz Liszt
8Einleitung, Fuge und Magnificat aus der Sinfonie zu Dantes Divina commedia 00:17:11
Orlando di Lasso
9Regina coeli (Bearb. für Orgel) 00:04:43

Interpreten der Einspielung

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