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CD-Besprechung

Geistliche Chormusik der Romantik

Rondeau ROP6184

1 CD • 72min • 2018

29.04.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Der Name des Chores „Sächsische Solistenvereinigung“ führt schon namentlich verschiedenes zusammen: Die insgesamt 18 Sängerinnen und Sänger sind allesamt ausgewiesene Gesangssolisten, die an sächsischen Hochschulen studiert haben, auch ehemalige Thomaner sind dabei – Garanten des gepflegten Chorgesangs. Alle singen neben ihrer Solistentätigkeit in Rundfunk-, Kammer- oder Opernchören. Das heißt, sie sind wendig im Stimmeinsatz, passen sich dem gewünschten Chorklang an und wissen, wie sie was singen müssen. Und so wachsen sie hier zu einem ebenso subtilen wie, wenn nötig, üppigen Chorklang zusammen, den der Dirigent Fabian Enders geschmeidig formt.

Wie singt der Chor?

Man kann sich kaum satthören an diesem Chor, der vorbildlichen Chorgesang hören lässt: Alle zusammen gestalten immer natürliche Spannungsbögen, singen die Phrasen schön aus und lassen die stimmhaften Endkonsonanten warm ausklingen. Die Soprane können sich dienlich zurücknehmen – was eine ebenso selten wie gern gehörte Kunst ist –, die Tenöre erreichen ihre Höhen mühelos, die Bässe haben sattwarme Tiefe und trotzdem noch klare Kontur. Alle Stimmgruppen erreichen einen sehr hohen Grad an Ausgewogenheit innerhalb und im Zusammenklang.

Die Piani und Pianissimi sind immer gut gestützt und deswegen summend weich, die Fortissimi klirren nie. Die Akkorde sind genau ausgehorcht und glockenrein, die vielen Septakkorde strahlen wonniglich-satt. Vorbildlich ist auch die Artikulation, so dass der abgedruckte Text fast überflüssig wäre, beim Aufprall mehrerer Konsonanten am Wortende und -anfang werden diese – auf der Gesangslinie -– sauber getrennt. Und vorbildlich ist auch die vom Dirigenten geforderte Deklamation: Die sinntragenden Wörter sind sinngenau betont, die Kommas werden gleichsam mitgesungen: Alles in allem ein einziger Chorklang-Genuss!

Was singt der Chor?

Das Programm ist vorgegeben: Alle Stücke dieser Geistlichen Chormusik der Romantik stammen aus dem zwei-, bald dreiteiligen Chorbuch „Romantik a Cappella“ aus dem Helbling Verlag. Diese CD dient somit als stilsicheres Anhörungsmaterial für andere Chorvereinigungen. Die 20 Stücke der CD sind eine Auswahl aus 147 abgedruckten Werken von 130 Komponisten aus 31 Ländern. Vollkommen richtig ist das gängige Wort von „abseits ausgetretener Pfade“, wobei es durchaus Überraschungen gibt.

So orientiert sich Sicut cervus von Charles Gounod brav am Ideal der klassischen Vokalpolyphonie, bleibt aber durchaus homophon, Exaudi nos von Leoš Janáček nicht dessen „verstörend grelle Harmonik“ (Alex Ross), sondern hört sich eher altbacken an, das Gebet von Friedrich Silcher wirkt in dieser Nachbarschaft geradezu langweilig.

Die schmerzreiche Harmonik in De profundis von E.T.A. Hoffmann holt Fabian Enders gewichtig heraus, genauso wie den Wechsel von Anbetung und forderndem Flehen in O salutaris hostia von Gioacchino Rossini, einem ausgedehnten Stück über einen kurzen Text. Und auch die Dramatik des Pater noster von Giacomo Meyerbeer gestaltet Fabian Enders organisch gut.

Flammend in seiner Demut ist Ergebung von Hugo Wolf auf einen Eichendorff-Text, melodisch ausschweifend und geprägt von „grübelndem Denken und scharfer Geistigkeit“ (Otto Schumann) ist O bone Jesu von Felix Draeseke, den neu zu entdecken es gälte und den Alfred Brendel als „Schicksal zwischen Liszt und Brahms“ charakterisiert hat. Xaver Schnyder von Wartensee kennen vielleicht Beethoven-Spezialisten, weil Wartensee Erinnerung an diesen hinterlassen hat. Sein Das Grab folgt genau charakterisierend dem Text von Johann Gaudenz von Saalis-Seewis und wird vom Chor auch konsonantenscharf deklamiert.

Was interpretiert der Dirigent nicht so perfekt?

Zwei Chorstücke scheinen dem Rezensenten des Tempos wegen nicht stimmig zu sein: Das Reger’sche Weihnachtslied Schlafe mein Kindelein ist eine Spur zu langsam, so dass der Wiegenlied-Charakter nicht so zum Tragen kommt. Dafür ist das Ave Maria von Karl May eine Spur zu schnell: „Sehr langsam und innig“ hat Karl May (Ja, der Schriftsteller: Er hat auch komponiert, dieses Ave Maria erklingt in „Winnetou III“, als dieser stirbt) als vorgeschrieben. Es ehrt Fabian Enders, wenn er nicht so auf die Gefühligkeitstube drücken will – aber so hört sich ein „Tag“ als Achtel-Durchgangsnote wie „Tack“ an, alles wirkt etwas eilig. Und noch ein gewichtiger Einwand: Im Original ist es ein Männerchor, es sind Männer eines nahegelegenen „Settlements“, die dieses Sterbelied für den Apachenhäuptling singen. Die acht Männer der Sächsischen Solistenvereinigung hätten es besser als Männerchor gesungen, es wäre authentischer und wirkungsvoller – und, des Rezensenten Meinung nach, schöner.

Wo singt der Chor?

Ausgesprochen schön dagegen ist der lang nachhallende und raumergreifende Klang der Leipziger Peterskirche, dieser imposanten neugotischen Kirche, eingefangen, er verleiht dieser Zusammenstellung von romantischer geistlicher Chormusik eine wundervoll romantische Aura.

Rainer W. Janka [29.04.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Charles Gounod
1Sicut cervus 00:02:56
Niels Wilhelm Gade
2O du, der du die Liebe bist 00:03:49
Hugo Wolf
3Ergebung 00:03:47
Leoš Janáček
4Exaudi Deus 00:01:32
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann
5De profundis 00:02:39
Friedrich Silcher
6Gebet 00:04:17
Johann Friedrich Reichardt
7Trauerchor 00:01:38
Xaver Schnyder von Wartensee
8Das Grab 00:03:36
Moritz Hauptmann
9Nun, Herr, wess soll ich mich getrösten 00:03:41
Felix Draeseke
10O bone Jesu 00:04:36
Gioachino Rossini
11O salutaris hostia 00:04:06
Giuseppe Verdi
12Ave Maria 00:05:30
Karl May
13Ave Maria 00:03:59
Carl Loewe
14Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz 00:02:33
Ferdinand Hiller
15O seligste Jungfrau 00:03:25
Wilhelm Kienzl
16Herzopfer an der Krippe (arr., trad. Österreich) 00:03:39
Max Reger
17Weihnachtslied (Schlaf, mein Kindelein) 00:04:59
Amy Beach
18Peace I Leave With You 00:02:01
Giaccomo Meyerbeer
19Pater noster 00:05:25
Carl Czerny
20In te, Domine, speravi 00:03:34

Interpreten der Einspielung

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