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CD-Besprechung

Haydn

String Quartets Vol. 14 op. 9 no. 1-3

MDG 307 2234-2

1 CD • 58min • 2021

21.03.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das Leipziger Streichquartett ist mittlerweile bei Vol. 14 seiner Gesamtaufnahme der Streichquartette von Joseph Haydn angelangt. Neu dabei ist der Cellist Peter Bruns. Dieser Wechsel wurde nötig, da sich das langjährige Bass-Fundament Matthias Moosburg in die Berufspolitik verabschiedet hat und jetzt sein Bundestagsmandat wahrnimmt. Die hier eingespielten ersten drei Quartette des op. 9 finden sich in Konzertprogrammen eher selten, da es sich um Werke für konzertierende erste Violine mit Begleitung dreier mehr füllender und am thematischen Geschehen nur selten beteiligter Streichinstrumente handelt, aus denen das Cello ein wenig hervorragt.

Haydns erstes „vollgültiges“ Quartett-Opus

Haydn bezeichnete die 6 Quartette op. 9 als seine erste gültige Sammlung für diese Besetzung. Die Partien sind – stärker noch als in op. 17 – als Konzertstücke für den Primarius angelegt. Sie ließen sich ohne Verlust der Substanz sowohl als Sonaten mit Klavierbegleitung bearbeiten oder bei chorischer Besetzung der Unterstimmen als brillante Konzerte aufführen. Dies ergab sich wohl durch die Uraufführungssituation: Als Primarius fungierte der Violinvirtuose und Konzertmeister des eszterházyschen Orchesters Luigi Tomasini, als Cellist Joseph Franz Weigl, für den Haydn das C-Dur-Konzert schrieb. Der ohnehin schon ausgesprochen virtuose Part der Violine 1 gewinnt noch an Anspruch, da es als sicher gelten kann, dass Tomasini um 1770 hier „veränderte Reprisen“ anbrachte, zu denen die Wiederholungen und Fermaten geradezu einladen. Die Mittelstimmen sind wesentlich einfacher gehalten, sodass der Fürst als „ordentlicher Geiger“ und der Komponist an der Bratsche hier bequem assistieren konnten. Polyphone Abschnitte finden sich nur ansatzweise in den Finali. Formell stehen die Quartette dem Divertimento nahe. In den Ecksätzen ist die zweiteilige Tanzform, aus der sich der Sonatenhauptsatz entwickelte, noch klar erkennbar. Die Menuette stehen an zweiter Stelle. Besonders intensiv gerieten die melodieseligen langsamen Sätze, von denen das Siciliano im ersten und das c-Moll-Cantabile mit Adagio-Einleitung im weiten Quartett besonders erwähnt seien.

Eingewöhnungsprobleme?

Das Leipziger Streichquartett präsentiert die drei ersten Werke des op. 9 aus einer Mittelposition zwischen herkömmlichem Quartettspiel und historischer Aufführungspraxis. Historisch informiert sind die Verwendung von Vibrato ausschließlich zur Belebung langer Töne – was die Intonation keinesfalls erleichtert, – schwungvolle Tempi, und das Bemühen um eine fein differenzierte Artikulation, die durch die Verwendung von Bögen mit schwächerer Bespannung nach Modellen der Haydn-Zeit erheblich unterstützt wird. War ich von Vol. 12 mit drei Quartetten aus op. 17 durchaus sehr angetan und hatte eigentlich nur das Fehlen freier Auszierungen moniert, gefällt mir die neueste Einspielung weit weniger. Das liegt einerseits daran, dass Stefan Arzberger seinen hochvirtuosen Führungspart in der Phrasierung weniger stringent und detailreich gestaltet, worunter besonders die Kantilenen der langsamen Sätze leiden. Andererseits tragen seine drei Begleiter eher wenig zur Spannung bei und liefern den Notentext mit nur geringem Gestaltungswillen ab. So fehlt es bei Tonwiederholungen an Binnendynamik. Staccati erhalten unfreiwillige Akzente, obwohl sie eigentlich nur getrennt zu spielen wären. Somit ein klassisches Indiz für mangelnde Konzentration und Kontrolle. Die Abstimmung im Obertonspektrum ist noch nicht so traumwandlerisch sicher, wie man es von den Leipzigern gewohnt war. Dies mag auch am neuen Bassfundament des Cellisten Peter Bruns liegen, der mir zudem über eine etwas weniger differenzierte Strichtechnik als Moosdorf zu verfügen scheint. Darunter leidet gelegentlich auch die Intonation.

Aufnahmetechnisch und bezüglich des Booklets sind keine Mängel zu vermelden.

Fazit: Eine Aufnahme, die das hervorragende Niveau des Vol. 12 nicht erreicht. Wer sich für die Werke interessiert, sollte zu den Aufnahmen des Auryn Quartetts oder zum – von mir präferierten – London Haydn Quartet greifen.

Vergleichsaufnahmen: Auryn Quartett –Tacet, London Haydn Quartet – Hyperion.

Thomas Baack [21.03.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Streichquartett C-Dur op. 9 Nr. 1 Hob. III:19 00:21:29
5Streichquartett Es-Dur op. 9 Nr. 2 Hob. III:20 00:19:31
9Streichquartett G-Dur op. 9 Nr. 3 Hob. III:3 00:16:31

Interpreten der Einspielung

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