Im August 2023 kann die Musikwelt den 100. Geburtstag des Dirigenten Wolfgang Sawallisch feiern. Er wurde am 26. August 1923 in München geboren. Direkt nach Schulabschluss mit Abitur wurde er 1942 zum Kriegsdienst eingezogen und geriet in englische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Freilassung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs studierte Sawallisch an der Münchner Musikhochschule bei Hans Sachsse (Klavier) und Joseph Haas (Komposition) und legte nach nur einem Semester 1946 das Staatsexamen ab. 1947 bekam er seine erste Anstellung als Korrepetitor am Theater Augsburg. Schon bald wurde er auch mit Dirigaten betraut und wurde zum 1. Kapellmeister ernannt. Mit seinem Schulfreund Gerhard Seitz, dem späteren Konzertmeister des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, bildete Sawallisch ein Kammermusikduo, das 1949 beim Internationalen Musikwettbewerb in Genf 1949 den 1. Preis gewann. An seiner Dirigiertechnik hatte Sawallisch zuvor schon in Unterrichtsstunden bei Hans Rosbaud gearbeitet, 1951 perfektionierte er diese noch bei Igor Markevitch bei den Salzburger Festspielen und wurde in der Folge von 1952 bis 1953 dessen Assistent. 1953 gelang ihm ein spektakuläres Dirigierdebüt bei den Berliner Philharmonikern, durch das man in Deutschland auf den jungen Dirigenten aufmerksam wurde. Seine nächste Station war Aachen, wo er von 1953 bis 1958 die Stelle als Generalmusikdirektor bekleidete, anschließend war er in gleicher Funktion von 1958 bis 1960 in Wiesbaden und von 1960 bis 1963 in Köln tätig. In Köln unterrichtete Sawallisch auch an der Musikhochschule. Bereits 1957 hatte Sawallisch seine erste Einladung auf den Grünen Hügel nach Bayreuth erhalten, wo er Tristan und Isolde dirigieren durfte. Bis 1962 wurde er regelmäßig bei den Festspielen als Dirigent engagiert. Neben der Oper pflegte Sawallisch aber auch das symphonische Repertoire in einer Doppelfunktion als Chefdirigent der Wiener Symphoniker von 1960 bis 1970 und gleichzeitig als Generalmusikdirektor der Hamburger Philharmoniker von 1961 bis 1972. Zusätzlich übte Sawallisch ab 1963 auch eine Funktion als musikalischer Berater der Deutschen Oper Berlin aus. Die 70er Jahre brachten für Wolfgang Sawallisch erneute Positionswechsel. Er übernahm 1970 die Stelle als Generalmusikdirektor des Orchestre de la Suisse Romande in Genf, die er bis 1980 bekleidete und folgte dem Ruf in seine Geburtsstadt München, wo er von 1971 bis 1993 als Generalmusikdirektor und von 1982 bis 1993 als Staatsoperndirektor der Bayerischen Staatsoper. Zu Spannungen kam es, als 1977 August Everding Intendant der Bayerischen Staatsoper wurde. Die beiden Charaktere waren zu ausgeprägt und zu verschieden, als dass eine einvernehmliche Zusammenarbeit möglich gewesen wäre. Doch trotz aller Differenzen konnte ein vollkommener Bruch vermieden werden. Seit 1964 hatte sich nebenher auch eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit mit dem NHK-Orchester Tokio entwickelt, in deren Verlauf Sawallisch in gut 40 Jahren mehr als 300 Konzertaufführungen in und um Tokio und in 45 weiteren Städten in ganz Japan leitete. Für diese Verdienste zeichnete ihn das NHK-Orchester 1994 mit dem Titel Honorary Conductor Laureate aus. Das Ende seiner erfolgreichen Karriere krönte Wolfgang Sawallisch 1993 mit einem letzten Wechsel in die USA, wo er für zehn Jahre die Leitung des Philadelphia Orchestra übernahm. Nach eigenen Worten waren dies die Jahre „mit den persönlich größten und schönsten Aufgaben“. Sawallisch hatte auch stets die Kammermusik und die Klavierliedbegleitung gepflegt und war auch in diesem Bereich ein gefragter Klavierpartner. Elisabeth Schwarzkopf, Margaret Price, Dietrich Fischer-Dieskau, Hermann Prey – um nur einige berühmte Namen zu nennen – vertrauten sich für ihre Liederabende gerne seiner Begleitung an. Stets an seiner Seite war Sawallischs Jugendliebe Mechthild Schmid, die er 1952 geheiratet hatte. Ihm zuliebe hat sie ihre eigene Karriere als Sängerin aufgegeben und sich als Managerin um die geschäftlichen Belange ihres Mannes gekümmert. Als sie 1998 einem Krebsleiden erlag, war dies ein schwerer Schlag für Wolfgang Sawallisch. Er selbst verstarb im Alter von 89 Jahren am 22. Februar 2013 in seinem Wohnort in Grassau am Chiemsee. Sein Anwesen, wo Sawallisch selbst schon zehn Jahre vor seinem Tod eine Stiftung mit eigener Musikakademie zur Förderung der musikalischen Bildung errichtet hatte, dient als Stammsitz der Stiftung, wo Konzerte und Meisterkurse veranstaltet werden. Sawallischs musikalisches Vermächtnis ist in Schallplatten- und CD-Einspielungen bestens dokumentiert. Sein Wirken wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen gewürdigt.
»Wolfgang Sawallisch: Biographie und Einspielungen«
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- 06.03.2021 → UA vor 190 Jahren: V. Bellini, La Sonnambula
- 07.03.2021 → UA vor 310 Jahren: G.F. Händel, Rinaldo HWV 7
- 09.03.2022 → UA vor 180 Jahren: G. Verdi, Nabucco
- 09.03.2024 → UA vor 180 Jahren: G. Verdi, Ernani
- 14.03.2022 → UA vor 175 Jahren: G. Verdi, Macbeth
- 17.03.2019 → UA vor 140 Jahren: P. Tschaikowsky, Eugen Onegin op. 24
- 19.03.2019 → UA vor 160 Jahren: Ch. Gounod, Faust
- 19.03.2019 → UA vor 220 Jahren: J. Haydn, Die Schöpfung Hob. XXI:2
- 30.03.2021 → UA vor 80 Jahren: B. Britten, Sinfonia da Requiem op. 20
- 31.03.2021 → UA vor 180 Jahren: R. Schumann: Sinfonie Nr. 1 op. 38 B-Dur
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