Jehan Alain war einer der bedeutendsten Organisten der Moderne, der in der relativ kurzen Zeit seines Wirkens nicht nur die französische Orgelmusik des 20. Jahrhunderts stark beeinflusst und mitgeprägt hat. Geboren am 3. Februar 1911 in Saint-Germain-en-Laye), erhielt er seinen ersten Orgelunterricht von seinem Vater Albert Alain. Dieser war selbst Organist, Komponist und Orgelbauer. Er hatte bei Alexandre Guilmant und Louis Vierne Orgel studiert und sich im Wohnzimmer der Familie ein viermanualige Hausorgel gebaut. Die Voraussetzungen für eine Organistenlaufbahn waren für Jehan also optimal und er konnte auch bereits mit 13 Jahren seinen Vater als Organist an der katholischen Pfarrkirche in St. Germain-en-Laye vertreten. Von 1927 bis 1939 studierte Alain am Conservatoire National Superieur in Paris mit sehr großem Erfolg: er erhielt erste Preise in Harmonielehre, Fuge, Kontrapunkt, Orgel und Improvisation. Große Namen wie Jean Roger-Ducasse, Paul Dukas und Marcel Dupré zählten zu seinen Lehrern. 1936 gewann er den ersten Preis der Amis de l'Orgue in Paris für seine dreisätzige Suite für Orgel. 1935 wurde Alain zum Organisten an St. Nicolas de Maisons-Lafitte in Paris ernannt. Diese Stelle hatte er vier Jahre inne. Außerdem spielte er regelmäßig im Temple Israëlite in der Rue Notre-Dame-de-Nazareth in Paris. Von dort existiert die einzige bekannte Tonaufnahme von ihm aus dem Jahre 1938, eine sechsminütige Orgelimprovisation. 1939 wurde Alain zum Kriegsdienst einberufen. Er fiel am 20. Juni 1940 in einem Gefecht bei Saumur, zwei Tage bevor in Compiègne der Waffenstillstand geschlossen wurde. Er hinterließ seine Frau Madeleine Payan, die er 1935 geheiratet hatte, und drei Kinder. Das Werkverzeichnis Alains umfasst mehr als 140 Kompositionen. Er schrieb Musik für Klavier und Orchester sowie Vokal- und Kammermusik. Seine Bekanntheit verdankt er aber vor allem seinen Werken für Orgel. In jeweils eigenen Kompositionen ehrten Maurice Duruflé und Jean Langlais das Andenken an Alain.
»Jehan Alain: Biographie und Einspielungen«
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