Der russische Komponist Alexander Borodin war eigentlich Naturwissenschaftler. Bereits mit 29 Jahren war er Professor für organische Chemie an der Akademie St. Petersburg. Das Komponieren war für ihn „Ruhe, Spaß, eine Laune, die mich von meinen offiziellen Pflichten als Professor, Wissenschaftler ablenkt“. Diese „Laune“ übte er jedoch so meisterlich aus, dass er in der Nachwelt als Komponist gilt, obwohl er auch auf seinem Forschungsgebiet Erkenntnisse und Methoden entwickelte, die bis heute gültig sind und angewendet werden. Geboren wurde er am 12. November 1833 in St. Petersburg als unehelicher Sohn des Fürsten Luka Gedewanischwili. Da der Fürst verheiratet war, ließ er das Kind als den Sohn seines Dieners Porfiri Borodin registrieren. Erst kurz vor seinem Tod bekannte sich der Fürst zu seinem Sohn. Alexander wuchs bei seiner Mutter Awdotja Konstantinowna Antonowa in St. Petersburg auf und erhielt eine fundierte Ausbildung. Er sprach neben russisch auch deutsch, französisch, italienisch und englisch und war daneben nicht nur naturwissenschaftlich, sondern auch musikalisch sehr begabt: er spielte Klavier, Flöte und Cello und komponierte mit neun Jahren bereits die Helenenpolka. 1850 begann er sein Studium an der Militärakademie für Medizin und Chirurgie in St. Petersburg, 1856 legte er das Examen mit Auszeichnung als bester Absolvent der Akademie ab. Sein Spezialgebiet war die experimentelle Chemie. 1862 bereits erhielt er an der Akademie eine Professur für organische Chemie und wurde 1874 in der Nachfolge seines Förderers Sinin auf den Lehrstuhl berufen. Bereits 1864 hatte er Mili Balakirew kennengelernt und durch diesen auch César Cui, Modest Mussorgski und Nikolai Rimski-Korsakow. Zusammen bildeten diese fünf Künstler das sog. „mächtige Häuflein“, das die russische Musik des 19. Jahrhunderts entscheidend prägte. Im Jahre 1869 wurde Borodins erste Sinfonie unter der Leitung von Balakirew aufgeführt. Im selben Jahr begann Borodin mit der Arbeit am Libretto und der Komposition seiner heroischen Oper Fürst Igor, mit den berühmten „Polowetzer Tänzen“. Obwohl es unvollendet blieb, gilt dieses Werk als sein bedeutendstes. Fürst Igor wurde später von Alexander Glasunow und Nikolai Rimski-Korsakow vollendet und orchestriert. 1885 überstand Borodin eine Choleraerkrankung, an deren Folgen er bis zu seinem Tod litt. Bei einem Faschingsball am 27. Februar 1887 brach er gegen Mitternacht zusammen und verstarb. Knapp siebzig Jahre später bildete sein musikalischer Nachlass die musikalische Grundlage für ein Broadway Musical: Robert Wright und George Forrest bedienten sich 1953 komplett der Musik Borodins für Kismet. Das Musical war international ein so großer Erfolg, dass Borodin 1954 dafür posthum der Tony Award verliehen wurde.
»Alexander Borodin: Biographie und Einspielungen«
Anzeige
Alle Porträts im Juli
- 01.07.2024 → Wilhelm Friedemann Bach 240. Todestag
- 01.07.2025 → Erik Satie 100. Todestag
- 01.07.2026 → Hans Werner Henze 100. Geburtstag
- 02.07.2024 → Christoph Willibald Gluck 310. Geburtstag
- 03.07.2023 → Peter Ruzicka 75. Geburtstag
- 03.07.2024 → Leoš Janáček 170. Geburtstag
- 03.07.2025 → Jacobus Gallus 475. Geburtstag
- 04.07.2017 → Ruth Zechlin 10. Todestag
- 04.07.2022 → Astor Piazzolla 30. Todestag
- 04.07.2023 → Flor Peeters 120. Geburtstag
- 04.07.2026 → Heinrich Kaminski 140. Geburtstag
- 04.07.2026 → Flor Peeters 40. Todestag
- 05.07.2021 → Johann Steuerlein 475. Geburtstag
- 07.07.2022 → Joe Zawinul 90. Geburtstag
- 08.07.2025 → Günter Bialas 30. Todestag
- 10.07.2025 → Carl Orff 130. Geburtstag
- 10.07.2025 → Henryk Wieniawski 190. Geburtstag
- 11.07.2017 → George Gershwin 80. Todestag
- 12.07.2025 → George Butterworth 140. Geburtstag
- 12.07.2026 → Gottfried von Einem 30. Todestag
- 15.07.2017 → Carl Czerny 160. Todestag
- 15.07.2025 → Friedrich Wilhelm Heinrich Benda 280. Geburtstag
- 16.07.2017 → Philipp Scharwenka 100. Todestag
- 16.07.2018 → Eugène Ysaÿe 160. Geburtstag
- 17.07.2017 → Gabriel Pierné 80. Todestag
- 18.07.2021 → Jacobus Gallus 430. Todestag
- 18.07.2025 → Johann Krieger 290. Todestag
- 19.07.2017 → Günter Bialas 110. Geburtstag
- 23.07.2017 → Domenico Scarlatti 260. Todestag
- 23.07.2021 → Franz Berwald 225. Geburtstag
- 23.07.2023 → Georges Auric 40. Todestag
- 24.07.2020 → Ernest Bloch 140. Geburtstag
- 24.07.2023 → Kurt Pahlen 20. Todestag
- 25.07.2025 → Albert Mangelsdorff 20. Todestag
- 26.07.2016 → Francesco Cilèa 150. Geburtstag
- 27.07.2017 → Enrique Granados 150. Geburtstag
- 27.07.2021 → Einojuhani Rautavaara 5. Todestag
- 27.07.2023 → Albert Franz Doppler 140. Todestag
- 27.07.2024 → Ferruccio Busoni 100. Todestag
- 27.07.2025 → Miklós Rózsa 30. Todestag
- 28.07.2021 → Antonio Vivaldi 280. Todestag
- 28.07.2023 → Rued Langgaard 130. Geburtstag
- 29.07.2016 → Robert Schumann 160. Todestag
- 29.07.2017 → Sigmund Romberg 130. Geburtstag
- 30.07.2018 → Jon Leifs 50. Todestag
- 31.07.2016 → Franz Liszt 130. Todestag
Uraufführungen im Juli
- 07.07.2025 → UA vor 80 Jahren: B. Britten, Peter Grimes op. 33
- 09.07.2018 → UA vor 40 Jahren: A. Reimann, Lear
Anzeige

