Ernest Bour ist vor allem bekannt als langjähriger Chefdirigent des Südwestfunk-Sinfonieorchesters Baden-Baden. Er wurde am 20. April 1913 in Diedenhofen (Elsass-Lothringen) geboren. Von 1930 bis 1933 studierte er am Konservatorium Straßburg Klavier, Orgel und Musiktheorie. Dazu nahm er an Dirigierkursen von Hermann Scherchen teil. Nach Studienabschluss trat er seine erste Anstellung als Chorchef bei Radio Genf an ehe er von 1935 bis 1939 Kapellmeister bei Radio Straßburg wurde. In den darauffolgenden beiden Jahren gab er Klavierunterricht, dann übernahm er von 1941 bis 1947 die Leitung des Orchesters der Stadt Mühlhausen. Von 1945 bis 1947 hatte Bour auch die Leitung des Konservatoriums von Mühlhausen inne. 1950 übernahm er die Leitung des Orchesters der Stadt Straßburg, ab 1955 zusammen mit Fritz Adam die Leitung der Straßburger Oper, bis er schließlich in der Nachfolge von Hans Rosbaud von 1964 bis 1979 Chefdirigent des Südwestfunk-Sinfonieorchesters Baden-Baden wurde. Ernest Bour setzte sich stets stark für die zeitgenössische Musik ein und leitete über 100 Uraufführungen zeigenössischer Musikwerke, unter anderem Luciano Berios Sinfonia während der Donaueschinger Musiktage 1969 sowie Werke von Bussotti, Ferneyhough, Górecki, Ligeti, Rihm, Stockhausen, Xenakis u.a.. Von 1976 bis 1987 war er ständiger Gastdirigent des Holländischen Rundfunkorchesters Hilversum. Die populärste Einspielung mit Ernest Bour dürfte wohl Ligetis Atmospheres auf dem Soundtrack zu Stanley Kubricks Science Fiction Film 2001: Odysse im Weltraum mit dem SWF-Sinfonieorchester Baden-Baden sein. Ernest Bour starb am 20. Juni 2001 in Straßburg.
Am 20. Juni 2026 hätte der amerikanische Pianist André Watts seinen 80. Geburtstag gefeiert. Geboren als Sohn einer ungarischen Pianistin und eines US-amerikanischen Vaters in Nürnberg, erhielt er im frühen Kindesalter Musikunterricht und wechselte im Alter von neun Jahren von der Violine zum Klavier. Durch den Umzug seiner Familie nach Philadelphia setzte er seine Ausbildung dort bei Genia Robiner, Doris Bawden und später auch bei Leon Fleisher fort und gab 1955 im Rahmen eines Kinderkonzerts in Philadelphia sein Debüt. 1963 wurde er über Nacht berühmt, als er für Glenn Gould einsprang und mit den New Yorker Philharmonikern unter der Leitung von Leonard Bernstein Liszts Es-Dur-Klavierkonzert aufführte. In den Folgejahren entwickelt sich seine internationale Karriere, sein Europa-Debüt gab er 1966. Schon im Jahr darauf unternahm er eine Welttournee. Als erster Pianist wurde 1976 eines seiner New Yorker Konzerte in voller Länge zur besten Sendezeit landesweit im US-Fernsehen übertragen, weitere TV-Auftritte folgten. Ab 1973 lehrte Antré Watts zudem am Berkshire Music Center in Tanglewood, später an der Jacobs School of Music der Indiana University Bloomington. Er starb am 12. Juli 2023 in Bloomington.
Der ungarische Pianist Géza Anda wurde am 19. November 1921 in Budapest geboren. Er stammte aus einer musikalischen Familie, studierte an der Franz-Liszt-Akademie seiner Heimatstadt u.a. bei Zoltán Kodály und Ernst von Dohnányi und schloss 1941 seine Studien dort mit dem Konzertdiplom ab. Um dem drohenden Militärdienst zu entgehen, ging er zunächst nach Berlin, wo er unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler konzertierte, und emigrierte 1943 in die Schweiz. Seine Karriere entwickelt sich zunächst nur langsam, ein Einspringen für Arturo Benedetti Michelangeli in der Zürcher Tonhalle unter der Leitung von Hermann Scherchen änderte daran zunächst nur wenig. Ab Mitte der 50er Jahre wird Géza Anda international gefeiert, 1955 wird der Schweizer Staatsbürger und heiratet Hortense Bührle, die Tochter des Industriellen und Kunstsammlers Emil Bührle. Auch für die Schallplatte wird Géza Anda aktiv und spielt als erster Pianist mit der Salzburger Camerata Academica sämtliche Klavierkonzerte Mozarts ein, die er vom Klavier aus leitet. Als Referenz-Aufnahme gilt auch die Einspielung der Klavierkonzerte von Béla Bartók unter der Leitung von Ferenc Fricsay, die er auch im Konzert vielfach aufführt.1975 erkrankt Géza Anda an Speiseröhrenkrebs und stirbt überraschend bereits ein Jahr später am 14. Juni 1976 in Zürich. Zu seinem Andenken stiftet seine Witwe den Klavierwettbewerb "Concours Géza Anda", der alle drei Jahr in Zürich stattfindet.