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CD-Besprechung

The Welte Mignon Mystery vol. XVII Edwin Fischer today playing all his 1923 interpretations

Tacet 181

2 CD • 1h 48min • 2010

02.12.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Über die künstlerische, vor allem aber über die pianistische Persönlichkeit Edwin Fischers lässt sich trefflich streiten. Autoritäten wie Alfred Brendel, Friedrich Höricke und András Schiff lassen bei so gut wie jeder Gelegenheit keinen Zweifel, dass Fischer ein Musikant von hoher, gar fast schon konkurrenzloser Bedeutung war und geblieben ist. Dieses Huldigungsgebaren konnte, wollte ich schon in frühen Jahren, wenn mir die Langspielplatten zu Gehör kamen, nicht oder nur schwer teilen. Schon das erste Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier (BWV 946 – in dieser Welte Mignon Folge XVII nicht enthalten) irritierte mich, weil von hüpfender, sorgloser Diktion ohne jeden Formulierungswillen wie gleichsam aus dem Ärmel gebeutelt wurde.

Edwin Fischer war, wie ich immer wieder zu hören bekam – gelegentlich auch aus dem Munde von Géza Anda! –, kein Freund des Studios, kein Verehrer von Mikrophonen, also von toten Zuhörern. Am besten, am schönsten soll er im Kreis seiner Schüler gespielt haben – und inspiriert auf dem Konzertpodium, wenngleich ich auch da manche Bedenken anzumelden wage. Gleichwohl: hier haben wir es mit einer Reihe von Rolleneinspielungen zu tun, die – in bewährter Qualität – von den Tacet-Technikern einem modernen Flügel überantwortet wurden. Es handelt sich also nicht um historische Aufnahmen, sondern um eine alte Einspielung, die klanglich unseren heutigen Erwartungen entspricht – ungeachtet der rhythmisch-agogischen Eigenheiten, die für die alten Aufzeichnungsverfahren kennzeichnend und in Grenzen des Respektierbaren auch problematisch geblieben sind.

Charakteristisch für Edwin Fischers Umgang mit den hier gekoppelten Werken bleibt eine Fixierung auf das Momentane, auf den erleuchteten Augen- und Hörblick. Da blitzt es im Verlauf der drei Bach-Doppel gelegentlich auf, wenn Fischer die Musik wie heilende Dämpfe inhaliert. Im Folgenden wiederum herrscht konzeptionelle Unruhe, leider begründet auch durch rein technische Ungebügeltheit. So erlebt man die schnellen Sätze der Beethoven-Sonaten op. 13 und op. 10,3 als Zeugnisse großen Engagements, aber auch mechanischer Wackeligkeit. Fischer entfaltet diese Sonaten als Projekte des kurzlebigen Effekts, nicht – wie etwa seine Kollegen Backhaus oder Kempff – als Experimente des strukturellen Vorausschauens mit dem Resultat, dass der Hörer am Ende das Ganze in Erinnerung behält.

Von Interesse für Fischer-Freunde wird die Soloversion des zweiten Satzes aus Mozarts Es-Dur-Konzert (KV 482) sein. Wie auch in seinen Einspielungen der Bach-Klavierkonzerte (vor allem BWV 1056!) zeigt sich Fischer hier als Meister der warmen, der herzlich-herben Tööne. Er führt mit untrüglichem Gespür durch diese im Original stark von Bläsern geprägte Wunderwelt, wenngleich die rein orchestralen Sequenzen etwas lieblos abgehandelt wirken.

Peter Cossé † [02.12.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Präludium und Fuge Nr. 4 cis-Moll BWV 849 (aus: Das Wohltemperierte Klavier Buch I BWV 846-869) 00:08:54
3Präludium und Fuge Nr. 22 b-Moll BWV 867 (aus: Das Wohltemperierte Klavier Buch I BWV 846-869) 00:07:21
5Präludium und Fuge Nr. 5 D-Dur BWV 850 (aus: Das Wohltemperierte Klavier Buch I BWV 846-869) 00:03:10
Ludwig van Beethoven
7Klaviersonate Nr. 8 c-Moll op. 13 (Pathétique) 00:19:47
10Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3 00:20:40
CD/SACD 2
1Klaviersonate Nr. 31 As-Dur op. 110 00:21:10
Wolfgang Amadeus Mozart
5Fantasie c-Moll KV 396 für Klavier 00:09:04
6Romanze As-Dur KV. Anh. 205 für Klavier 00:04:53
72. Satz, Andante con moto 00:11:47

Interpreten der Einspielung

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