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CD-Besprechung

Heimat

Benjamin Appl

Sony Classical 088985393032

1 CD • 67min • 2016, 2017

12.04.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Das Beiheft dieser CD enthält eine Plauderei von Benjamin Appl über Benjamin Appl. Man erfährt daraus unter anderem, dass Benjamin Appl am 19. September 2010 mit drei Koffern in London angekommen ist, dass er im Jahr 2014 zwei seiner Großeltern verloren hat, daß er seine Freunde Holger, Rouwen und M. grüßen läßt und noch manch anderes, was vielleicht ihn, sicher aber nicht uns interessiert. Das Goethewort „Bilde, Künstler! rede nicht!“ sollte auch für Sänger gelten.

Sein Liedprogramm teilt der junge Künstler in acht Kapitel ein: Prolog, Wurzeln, Räume, Menschen usw. Das ist alles recht nett und sympathisch, aber doch etwas zuviel Prätention für einen Sänger, der sich der Musikwelt erst bekannt machen muß. Nähere Details liefert Sankt Google: geboren 1982 in der Nähe von Regensburg, Ausbildung in München und London, danach Privat-Unterricht bei Fischer-Dieskau, dessen letzter Schüler er war. Konzert- und Opernauftritte in Deutschland, England, Amerika.

Das Programm mit dem – in Correctness-Kreisen vermutlich anstößig klingenden – Titel „Heimat“ imponiert durch kluge und gedankenvolle Zusammenstellung: Schubert, Reger, Wolf, Brahms, Schreker, Strauss, eine gute Mischung aus Bekanntem und weniger Geläufigem (Brahms: Mondnacht, Schubert: Nachtstück, Drang in die Ferne), ein Tangolied von Adolf Strauss (gestorben in Theresienstadt 1943), Songs und Chansons von Poulenc, Britten, Vaughan Williams, dazu auch das unsterbliche Home sweet home von Henry Bishop. Und zuletzt, was man heutzutage als positive Überraschung vermelden kann: zwei Lieder von Edvard Grieg. Für dieses musikalische Bukett ein herzliches Bravo!

Und nun zum Sänger Benjamin Appl: schlanke, kräftige Baritonstimme, ziemlich umfangreich, in vielen Bereichen gut geschult. In Schuberts Seligkeit nimmt er drei Gedichtzeilen in einem Atem. Es gibt viel Anerkennenswertes – und doch, man darf es nicht verhehlen, dass Benjamin Appl noch nicht so weit ist, um sich mit einer solchen Tonaufnahme der Öffentlichkeit zu präsentieren. Da steckt gesanglich manches noch tief im Hals, da werden die Vokale und Diphthonge unschön verfärbt, aus „Freude“ wird „Froide“ aus „Einst“ ein „Oinst“, das R rollt nicht richtig. Einiges im Programm, erscheint als etwas zu hoch gegriffen: Verschwiegene Liebe von Wolf, Allerseelen von Strauss Der Wanderer von Schubert – da fehlt es noch an Reife, an Einfühlung. Die Anlagen des Sängers sind gut, aber noch im Zustand des Aufbaus.

James Baillieu am Klavier ist bei Poulenc und Britten besser am Platz als bei Schubert. Der Wanderer an den Mond – das ist kein Schreiten sondern ein Stampfen.

Clemens Höslinger [12.04.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schubert
1Seligkeit D 433 00:01:52
Max Reger
2Des Kindes Gebet op. 76 Nr. 22 00:01:38
Hugo Wolf
3Er ist's (Frühling läßt sein blaues Band, 1888) 00:01:23
Johannes Brahms
4Wiegenlied op. 49 Nr. 4 (aus: Des Knaben Wunderhorn) 00:01:55
Franz Schubert
5Der Einsame op. 41 D 800 00:04:19
Johannes Brahms
6Mondnacht WoO 21 00:02:51
Franz Schreker
7Waldeinsamkeit 00:03:06
Johannes Brahms
8Mein Mädel hat einen Rosenmund WoO 33,25 (Deutsche Volkslieder Heft 4) 00:01:57
Hugo Wolf
9Verschwiegene Liebe (1888) 00:02:23
Richard Strauss
10Allerseelen op. 10 Nr. 8 00:03:08
Franz Schubert
11Nachtstück c-Moll op. 36 Nr. 2 D 672 00:06:02
12Drang in die Ferne D 770 (Text: K.G. von Leitner) 00:03:34
13Der Wanderer an den Mond D 870 00:02:17
Adolf Strauss
14Ich weiß bestimmt, ich werd' dich wiedersehen 00:03:51
Franz Schubert
15Das Heimweh D 456 (Text: K.G.T. Winkler) 00:01:22
16Der Wanderer op. 4 D 489 00:05:16
Francis Poulenc
17Hyde Park FP 127/2 00:00:48
Benjamin Britten
18Greensleeves 00:02:05
Ralph Vaughan Williams
19Silent Noon 00:04:00
Henry R. Bishop
20Home, sweet home 00:03:11

Interpreten der Einspielung

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