Theodor Fürchtegott Kirchner war ein zu Lebzeiten in Musikerkreisen sehr geschätzter und sehr gut vernetzter Komponist, Dirigent, Organist und Pianist. Er war bekannt mit Robert und Clara Schumann, mit Felix Mendelssohn Bartholdy und mit Johannes Brahms verband ihn eine lebenslange enge Freundschaft. Doch auch wenn der 30jährige Kirchner von Schumann einst als „hochaufstrebender Künstler der jüngsten Zeit“ gelobt wurde und Johannes Brahms dessen Klavierminiaturen als „das Zarteste vom Zarten“ bezeichnete, gelang es Kirchner nicht, eine genügend große öffentliche Anerkennung zu erreichen, die es ihm ermöglicht hätte, ein gutes Auskommen mit seiner Kunst zu erzielen. Er hatte zeitlebens mit finanziellen Sorgen und Nöten zu kämpfen, so dass Freunde und Gönner, darunter Edvard Grieg, Hans von Bülow und auch Carl Reinecke, 1884 sogar eine Spendenaktion initiierten, von deren gut angelegtem Erlös Kirchner seinen Lebensunterhalt mit bestreiten konnte. Darüber hinaus unterstützte ihn sein Freund Johannes Brahms immer wieder finanziell. Kirchner wurde am 10. Dezember 1823 in Neukirchen im Erzgebirge geboren. Er besuchte die Bürgerschule in Chemnitz und erhielt schon als Kind Unterricht in Klavier und Orgel. Rasch zeigte sich sein außerordentliches Talent, so dass er als 15-Jähriger Schumann und Mendelssohn vorgestellt wurde, die von seinen Fähigkeiten ebenfalls äußerst angetan waren. Auf Empfehlung Mendelssohns hin begab sich Kirchner zum Musikstudium nach Leipzig, wo er 1843 mit der Matrikelnummer 1 als erster Schüler in das neu gegründete Leipziger Konservatorium eingetragen wurde. Noch im selben Jahr trat er – ebenfalls auf Empfehlung Mendelssohns hin – die Organistenstelle an der Stadtkirche in Winterthur in der Schweiz an. 1862 ging er nach Zürich, wo er die Abonnementskonzerte der Allgemeinen Musik-Gesellschaft leitete. Für Kirchner bedeutete dies einen schicksalshaften Schritt, da er dort die Bekanntschaft mit Johannes Brahms machte, aus der sich die lebenslange Freundschaft entwickeln sollte. 1868 heiratete Kirchner die Sängerin Maria Schmidt. 1872 kehrte er wieder nach Deutschland zurück, um Prinzessin Maria in Meiningen in Musik zu unterrichten. Doch schon ein Jahr später wechselte er nach Würzburg, um die Stellung des Direktors der Musikschule anzutreten. Vier Jahre später zog Kirchner nach Leipzig und bestritt seinen Lebensunterhalt einige Jahre als Musiklehrer. 1883 schließlich ging er nach Dresden, wo er am dortigen Konservatorium unterrichtete. 1890 ließ sich Kirchner dann ohne feste Anstellung in Hamburg nieder. Als er verarmt und krank begann, zu erblinden, kümmerte sich seine Schülerin Mathilde Schlüter, die Witwe eines Baufirmeninhabers, um ihn bis Kirchner schließlich am 18. September 1903, durch mehrere Schlaganfälle gelähmt, verstarb. Kirchner hinterließ ein reichhaltiges und vielfältiges musikalisches Lebenswerk. Neben zahlreichen Kammermusikwerken, Liedern und Chorwerken konzentriert sich sein Schaffen aber hauptsächlich auf das Klavier. Allein sein Klavierwerk umfasst über eintausend Kompositionen. Darüber hinaus arrangierte er eine Vielzahl von sinfonischen und sonstigen Werken von Schumann, Brahms, Beethoven, Grieg, Haydn, Schubert und anderen für den Hausgebrauch für Klavier und gilt in dieser Hinsicht als Hauptvertreter der Klavierminiaturistik der Romantik. Sein Werk geriet nach seinem Tod allerdings rasch in Vergessenheit. Dies ist hauptsächlich sicherlich darauf zurückzuführen, dass er auf große Formtypen verzichtete. Seine Klavierstücke sind fast durchweg ausdrucksvolle romantische Charakterstücke, die aufgrund ihrer Kürze bestenfalls als Zugabe den Weg in den Konzertsaal fanden und so nicht genügend Bekanntheitsgrad entfalten konnten.
»Theodor Fürchtegott Kirchner: Biographie und Einspielungen«
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